Forschung | Publikum

Auseinandergelebt (27. September 2016)

Hat Ron Burgundy Recht? Nicht ganz! Qualität wird von jungen Mediennutzern geschätzt - aber selten nachgefragt.

Junge Erwachsene und Journalismus – eine schwierige, aber keinesfalls zum Scheitern verurteilte Beziehung. Aus neuen Forschungsergebnissen lassen sich fünf Nutzertypen ableiten. Message stellt sie vor

von Dennis Reineck

Ja, so ist die Jugend heute, schrecklich sind die jungen Leute…
Wilhelm Busch, Julchen

Dem Journalismus laufen die jungen Nutzer davon, so liest man allenthalben. Und es stimmt: Jugendliche und junge Erwachsene nutzen klassische journalistische Medien, also etwa Zeitung, Fernsehen- oder Radionachrichten, immer seltener. Das zeigen auch die Nutzungszahlen. Seit der Jahrtausendwende haben sich die täglichen Tageszeitungsleser im Alter von 14 bis 29 Jahren mehr als halbiert, die tägliche Leserschaft von Zeitschriften ist im selben Zeitraum in dieser Altersgruppe auf ein Drittel geschrumpft. Sahen im Jahr 2000 noch 83 Prozent der 14- bis 29-Jährigen täglich fern, waren es 2015 nur noch 67 Prozent. Ähnlich beim Radio: Dort sank der Anteil der Radiohörer in dieser Altersgruppe im selben Zeitraum von 80 auf 64 Prozent (Feierabend, Klingler, Turecek 2016). Kein Wunder, dass der Kommunikationswissenschaftler Klaus Arnold von Jugendlichen und jungen Erwachsenen als einer „Problemgruppe“ für den Journalismus spricht (Arnold 2009: 471 ).

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Forschung | Sprache

Emotion statt Information (19. März 2015)

Einst galt die Zeitung von gestern als alt, heute sind es die Posts von vorhin. Wie aber schreiben, wenn die Konkurrenz keine Zeitungen, sondern soziale Netzwerke sind? Über journalistisches Texten in Zeiten von Heftig, Facebook & Co.

von Kerstin Liesem

Köln, Dienstag, 8.23 Uhr. Beobachtung in der Linie 15 vom Chlodwigplatz zum Barbarossaplatz. 22 Studierende stehen, sitzen oder lehnen im Straßenbahnabteil. Alle haben Smartphones in den Händen. Sieben von ihnen beschäftigen sich mit Facebook. Sie scrollen sich durch die Neuigkeiten ihrer Facebook-Community. Was ihnen gefällt, bekommt ein »Like«. Neun tippen SMS oder beantworten Whatsapp-Nachrichten. Zwei telefonieren. Einer schießt ein Selfie. Drei hören Musik, die von Spotify kommt. Ein ganz normaler Morgen für Angehörige der Generation »always on«.

Ständige Aufmerksamkeit bedeutet auch Stress. Glenn Wilson, Psychiater am King’s College in London, hat nachgewiesen, dass die Ablenkung durch ständige Text- und Telefonbotschaften eine größere Gefahr für den Intelligenzquotienten und die Konzentration des Menschen darstellt als der Konsum von Cannabis.

So krass, bei diesem Screenshot musste ich weinen: Mit Babys, Drogen und Riesenspinnen fangen Websites wie heftig.co und BuzzFeed Klicks; statt Berichterstattung gibt es Rührgeschichten.

So krass, bei diesem Screenshot musste ich weinen: Mit Babys, Drogen und Riesenspinnen fangen Websites wie heftig.co und BuzzFeed Klicks; statt Berichterstattung gibt es Rührgeschichten.

Dennoch: Wer Studierende befragt, wird kaum jemanden finden, der angibt, sein Smartphone nicht ständig im Blick zu haben. Besonders hoch im Kurs bei den Studierenden steht Facebook. Den hohen Stellenwert dieser Social-Media-Plattform – besonders bei der Generation der 14- bis 29-Jährigen – belegt auch die ARD/ZDF-Onlinestudie 2013: Danach verbringt diese Zielgruppe im Durchschnitt 218 Minuten täglich im Netz, die Hälfte davon in sozialen Netzwerken. Mehr als ein Drittel dieser Zeit (37 Prozent) entfällt allein auf Facebook. Aber längst nicht nur die Digital Natives nutzen das Netzwerk. 27,38 Millionen Menschen in Deutschland waren laut dem Blog allfacebook.de im Januar 2014 auf Facebook aktiv. (mehr …)