Finanzierungsmodelle
Non-Profit als Systemstütze

Nonprofit-Organisationen für investigativen Journalismus haben die Watchdog-Funktion der Presse gerettet. In der schrumpfenden Medienbranche wird die Erleichterung aber nicht von Dauer sein.

Von Mark Lee Hunter

Der investigative Journalismus erlebt eine weltweite Renaissance. Am meisten überrascht dabei, dass der Antrieb dafür in den vergangenen zehn Jahren nicht von Medienunternehmen kam. Bei der Erschütterung, die in den 1970ern von Watergate ausging, war das noch anders. Diesmal sind Nonprofit-Organisationen die treibende Kraft hinter der Bewegung. Mehr als 110 von ihnen arbeiten laut eines verlässlichen Berichts von David Kaplan, einem Veteranen der Bewegung, in 40 Ländern. Vor nicht einmal einem Jahrzehnt waren es nur ein paar Dutzend. Etwa die Hälfte dieser Zentren für investigativen Journalismus auf Nonprofit-Basis sind in den USA ansässig. Daneben bildeten sich Organisationen wie die Arab Reporters for Investigative Journalism (ARIJ) in Jordanien und das Organised Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) mit Sitz auf dem Balkan.

Bewegung hat ihren Ursprung in Kalifornien

Dass das Nonprofit-Modell des investigativen Journalismus für den Berufsstand einmal solch zentrale Bedeutung einnehmen würde, war für niemanden vorauszusehen, als die erste Organisation dieser Art, das Center for Investigative Reporting, 1977 in Oakland (Kalifornien) gegründet wurde. Als 1989 das Center for Public Integrity in Washington (dessen Gründer Charles Lewis auch der führende Theoretiker der Bewegung ist) und das Philippines Center for Investigative Journalism in Manila an den Start gingen, galten diese Einrichtungen noch als atypisch. Watchdog-Journalismus war vor allem die Domäne großer kommerzieller Zeitungs- und Zeitschriftenverlage oder steuerfinanzierter öffentlicher Sendeanstalten wie der BBC. Das ist nun kaum noch der Fall.

Das Spektrum der investigativen und erzählerischen Techniken, zu sehen in den Arbeiten der besten Organisationen dieser Art, übertrifft bei weitem die Standards des Mediengeschäfts der vergangenen Jahrzehnte. ProPublica in den USA und OCCRP auf dem Balkan, beide 2007 gegründet, gehören zu den treibenden Kräften in Sachen Innovation bei Inhalten, Technologien und Kollaborationen. Sie und viele andere übernehmen immer mehr die einstigen Kernfunktionen gewinnorientierter Medienunternehmen – vor allem den Watchdog-Journalismus.

Für die traditionellen Medienhäuser bedeutet das eine Entlastung – nicht zuletzt aus finanzieller Sicht. Die amerikanische Medienbranche begrüßt einen durch Stiftungen oder Regierungen unterstützten Journalismus vor allem deshalb, weil er den darbenden Medienunternehmen die Chance bietet, ihren Bedarf an investigativer Recherche zu minimalen Kosten auszulagern. Dieser Trend war schon 2010 deutlich zu erkennen, als ProPublica als erstes Onlinemedium einen Pulitzerpreis erhielt. Mittlerweile hat das Spardiktat auch die Recherche-Ressorts solcher Medien im Griff, die einmal für ihre investigativen Leistungen berühmt waren. Arbeiten von und mit Nonprofit-Organisationen laufen daher auch auf den Titelseiten der Washington Post und der Financial Times oder in der Primetime der BBC. …

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