Medienjournalismus
»Wir sind freier und  stehen außerhalb«

Die vom ehemaligen LeMonde-Chefredakteur Edwy Plenel gegründetefranzösische Online-Zeitung Mediapart.fr verbindet einaußergewöhnliches publizistisches Konzept mit mutigerFinanzierung: Die Nutzer zahlen.

von Mark Lee Hunter und Luk N. Van Wassenhove

Mediapart.fr versteht sich als »partizipatives« Medium. Wases damit auf sich hat und ob das Finanzierungsmodell funktioniert,erklärt Mathieu Magnaudeix, der das Projekt in Leipzig vorgestellthat.

Mediapart nennt sich partizipativ. Was meinen Sie damit?

Magnaudeix: Mediapart hat zwei Teile. Einer funktioniert wie eineSocial Networking-Plattform. Dort können unsere AbonnentenBeiträge schreiben und sich gegenseitig kommentieren. Es gibtWissenschaftler oder Experten unterschiedlicher Gebiete, die füruns bloggen. Wir machen ihnen keine Vorgaben.

Der andere Teil ist von der Redaktion erstellt. Den kann man nichteinsehen, ohne Abonnent zu sein. Auch kommentieren kann man dort nurals Abonnent.

Welche Möglichkeiten haben die Nutzer noch? Stichwort SocialNetworking.

Magnaudeix: Die Leute haben dort wie bei Facebook eine Art zweites,virtuelles Leben. Sie können Gruppen gründen und bestehendenbeitreten sowie Freundschaften zu anderen Abonnenten schließen.Polemische Diskussionen lassen sich bei uns besser moderieren als beifrei zugänglichen Plattformen. Durch den kostenpflichtigen Zugangist der Community-Charakter ausgeprägter. Wir erfahren schnell vonkontroversen Inhalten und können bei Auseinandersetzungenvermitteln.

Was kann man einsehen, ohne Abonnent zu sein?

Magnaudeix: Man kann die Teaser der redaktionellen Beiträge undden interaktiven Teil ansehen.

Arbeiten die Redakteure fest für Mediapart oder sind es Freie?

Magnaudeix: Fast alle der 25 Journalisten sind fest angestellt,wenige sind selbstständig. Die Redakteure sollten von Beginn andas verdienen, was sie auch vorher verdient haben. Es gibt inFrankreich den Begriff der »forçats du web«.Forçats sind Gefangene in einem Arbeitslager. Ein Journalist vonLeMonde hat dieses Bild geprägt. Er zielt damit auf dieArbeitsbedingungen von Online-Journalisten: Schlecht bezahlt zu werden,keine Zeit für Artikel zu haben, kaum Mehrwert aus der Arbeitziehen zu können. Wir möchten das Gegenteil bieten:Hintergründigen Journalismus und gute Bezahlung.

Mediapart finanziert sich mit diesem Anspruch lediglich überAbonnements?

Magnaudeix: Ja. Wir haben keine Werbung. Das Abonnement kostet neunEuro im Monat. Rentner, Studenten und Arbeitslose zahlen fünf. Dasist der Preis seit März 2008, als wir angefangen haben. Es gibtnoch ein Schnupper-Angebot – ein Euro für zwei Wochen.

Kann sich Mediapart bereits allein über Abonnements finanzieren?

Magnaudeix: Um kostendeckend arbeiten zu können, müssen wirunsere jetzige Abonnentenzahl, das sind etwa 25.000, verdoppeln. Esgibt derzeit keinen Grund, daran zu zweifeln, dass wir diese Zahlerreichen und weiter steigern können. Wir haben in der vergangenenWoche 40 bis 50 neue Abonnenten pro Tag gewonnen, während nur etwazehn gekündigt haben. Es gab noch keinen einzigen Tag, an dem mehrgekündigt haben als hinzugekommen sind.

Wann wird sich Mediapart durch Abonnenten tragen können?

Magnaudeix: Den Break Even müssten wir Ende 2011 erreichen. Wirhaben Investoren, die an unser Modell glauben und uns bis dahinfinanzieren. Manche der Mitarbeiter sind auch in kleinem Umfang amUnternehmen beteiligt.

Wie ist die Arbeitsweise von Mediapart im redaktionellen Teil bei»nur« 25 Journalisten?

Magnaudeix: Wir konzentrieren unsauf drei, vier Themen pro Tag, die wir dann hintergründigbehandeln. Wir versuchen, einen Mehrwert zu erzeugen; entweder durchexklusive Informationen oder indem wir uns Zeit nehmen fürReportagen und ausgiebig vor Ort recherchieren. Wir schicken auchjemanden nach Afghanistan oder Pakistan, wenn das nötig wird.

Wer liest Mediapart?

Magnaudeix: Wir haben eine vielfältige Leserschaft,  vomStudenten bis zum Rentner. Es sind bemerkenswert viele Nicht-Pariser. Es sind Menschen, die ein Online-Medium nichtgrundsätzlich für unseriös halten, sondern dafürbezahlen wollen. …

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