Forschung
Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Zum journalistischen Handwerk gehört nicht nur einegründliche Recherche, sondern auch der offene Umgang mit Quellen.Wie transparent arbeiten deutsche und US-amerikanischeQualitätszeitungen?

von Benjamin Schulz

Informationen sind zu einer Massenware geworden. Journalisten haben dieAufgabe, Orientierung zu bieten – Daten und Fakteneinzuschätzen. Je mehr Quellen im Netz verfügbar sind, destowichtiger ist deren Beurteilung. Berichterstattung ist aber erst dannwirklich transparent, wenn Angaben zu den Quellen aus dem Texthervorgehen.  Doch welchen Stellenwert hat die Transparenz derQuellen in Qualitätszeitungen? Nehmen US-amerikanische Zeitungendieses Gebot ernster? Muss man deshalb von unterschiedlichenjournalistischen Kulturen sprechen?

Diesen Fragen ging eine Abschlussarbeit an der TechnischenUniversität Dortmund nach. Analysiert wurden im VergleichBeiträge aus zwei deutschen und zwei US-amerikanischenQualitätszeitungen: Zum einen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung(FAZ) und der Süddeutschen Zeitung (SZ); zum anderen der New YorkTimes (NYT) und der Washington Post (WP). In der Untersuchung zeigtesich, dass Artikel der FAZ und SZ fast durchgängig eine geringereQuellen-Transparenz aufwiesen als Texte der NYT und WP – wobeidie Unterschiede zwischen den Zeitungen und Ländern beachtlichwaren.

Die Mehrheit aller Aussagen ist belegt

Zunächst wurden die faktischen Aussagen aus Aufmacher-Artikeln dervier Zeitungen im Verlauf von 14 Monaten untersucht. Bei NYT und WPwaren jeweils 23,5 Prozent der untersuchten Aussagen nicht belegt, beider FAZ 25 Prozent. Nur bei der SZ war knapp jede dritte Aussage (31,3Prozent) ohne Beleg.

Ein etwas anderes Bild zeigte sich bei der Analyse derBerichterstattung zum gemeinsamen Thema, dem G-8-Gipfel 2008 in Japan.Hier waren durchgängig bei allen Blättern weniger Aussagenmit Quellen belegt als in den Aufmacher-Artikeln. Den niedrigsten Anteil an Informationen ohne Quelle weist die NYT mit29,4 Prozent auf, FAZ und WP liegen etwa gleich auf mit 38 und 41Prozent. Die meisten Informationen ohne Angabe der Herkunft bot die SZmit 43,7 Prozent.

Genauere Betrachtung offenbart Defizite

Zusammen waren mehr als die Hälfte und beim überwiegendenTeil der untersuchten Artikel sogar drei Viertel der Aussagen belegt.Damit scheint die Berichterstattung eine respektable Transparenzaufzuweisen, schließlich sind Presseartikel keinewissenschaftlichen Arbeiten. Doch so gut, wie die Unterscheidungzwischen belegten und nicht belegten Aussagen vermuten lässt, istes um die Transparenz der untersuchten Berichterstattung doch nichtbestellt.

Eine genauere Betrachtung ergab nämlich, dass …

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