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Heiliger Krieg, heiliger Profit

Den Hintermännern des internationalen Terrorismus geht es meist nicht um Glaubensfragen, sondern – viel profaner – ums Geschäft. Diese Erkenntnis aus jahrelangen Recherchen in Afrika hat unser Autor nun als Buch veröffentlicht.

von Marc Engelhardt

Anfang 2010 lief ich durch die Stadt Jos, die mitten in Nigeria liegt: dort, wo der mehrheitlich muslimische Norden und der überwiegend christliche Süden des bevölkerungsreichsten afrikanischen Landes aneinanderstoßen. Seit einigen Wochen gab es hier Unruhen, und die Spuren der Kämpfe waren überall zu sehen.

Ausgebrannte Häuser, verkohlte Autowracks, verbrannte Autoreifen. Entlang der Hauptstraßen hockten Menschen mit viel oder wenig Gepäck, aber alle sahen so aus, als wollten sie die Stadt möglichst schnell verlassen. Am ersten Tag habe ich nichts anderes gemacht, als mit möglichst vielen von ihnen zu sprechen. Etwa mit Ndusibi Oko, einem Christen. Muslimische Schlägertrupps, sagt er, hätten seine Frau und Kinder aus dem Haus gejagt und es in Brand gesteckt. »Sie haben auch meinen Vater, einen alten Mann, angezündet, der Leichnam war so verkohlt, dass ich ihn nicht mehr erkennen konnte.«

Glaubenskrieg? Von wegen!

Da war der Muslim Bala al Hassan, der sagte, er habe nie Probleme mit den Christen in der Nachbarschaft gehabt. »Die Leute, mit denen ich so lange zusammengelebt habe, sind geradezu in Raserei verfallen, sie haben meine Rinder mit Macheten in Stücke zerhackt und uns gedroht, das gleiche mit uns anzustellen.« Seine Frau und das erst wenige Wochen alte Baby entkamen nur knapp dem lichterloh brennenden Haus.

Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich seit sechs Jahren als freier Afrika-Korrespondent. Immer wieder führte ich Interviews wie diese: im Tschad, in Mali, im Norden Ugandas, in der Zentralafrikanischen Republik oder in Somalia. Immer wieder habe ich mich in solchen Situationen gefragt, warum der Terror in Afrika so stark zunimmt. Auch in Jos sprachen damals viele von Terrorzellen auch jener Gruppe, die später als Boko Haram berüchtigt wurde.

Ein »lange schwelender Glaubenskrieg« oder (angeblich seit Jahrhunderten gepflegte) »Fehden zwischen den Ethnien« sind die üblichen Pauschalgründe, die als angebliche Ursachen von Gemetzeln wie denen in Jos herangezogen werden. Doch das deckt sich nicht mit den Erfahrungen, die ich in Afrika gemacht habe. An den Orten des Geschehens geht es selten um Religion, sondern um ganz andere Probleme. Spätestens nach ein paar Minuten landet das Gespräch bei den wirklich zentralen Themen: …

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