Henri-Nannen-Preis
Schlagabtausch

von Michael Haller

Message hat in der vorigen Ausgabe ein Interview mit Udo Ludwig und Matthias Geyer geführt, den Preisträgern des Henri-Nannen-Preises für investigative Recherche. Unser Interviewer wollte wissen, wie die beiden Reporter mit welchen Hinweisen ihrer Informanten Dieter Quarz und Ralf Meutgens wirklich verfuhren (die waren zur Interview-Vorbereitung befragt worden). Doch je präziser nachgefragt wurde, desto überheblicher und nichtssagender – so der Eindruck des Interviewers – fielen die Antworten aus. Dies weckte den Verdacht, die beiden Preisträger hätten sich damals vielleicht doch nicht so verhalten, wie sie es jetzt darstellen. Gemäß der Regel: »Höre auch die andere Seite« wurden anschließend die von den Spiegel-Leuten in ein schräges Licht gestellten Informanten befragt – und einige Antworten von Meutgens auch als Kurzinterview wiedergegeben (die Texte können unter »Ein regelrechter sportjournalistischer Wahn« nachgelesen werden).

Die Spiegel-Leute, deren Darstellungen nun in Zweifel gezogen waren, schlugen uns vor, auf die Vorwürfe mit ihrer Sicht zu antworten; wir verstanden dies so: die damals auf unsere Interviewfragen nicht gegebenen Antworten nachzuliefern. So kam es zu der hier abgedruckten Entgegnung.

Aus unserer Sicht sind hierzu zwei Punkte anzumerken:

  • Erstens die Sachverhalte: Die beiden Reporter schreiben, ihre Darlegung sei eine »Richtigstellung«. Davon kann nicht die Rede sein. Die beiden behaupten, der Radsport-Betreuer Dieter Quarz hätte ihnen dies und jenes gesagt – was dieser bestreitet. Leider geben die Spiegel-Leute keinen Einblick in das Transkript jener Befragung, das nur ihnen vorliegt. Wir erwarteten von den Spiegel-Reportern keine Pseudorichtigstellung, sondern Sachdarstellungen. Leider haben sie sich in relevanten Passagen nicht daran gehalten, sondern Unterstellungen formuliert, die mit dem uns vorliegenden Material nicht zusammenpassen.
  • Zweitens das Vorgehen: Die beiden Reporter halten es für »journalistisch fragwürdig«, dass unser Autor im Nachgang des Interviews auch noch die Sicht von Quarz und Meutgens darstellte, die Spiegel- Leute aber nicht nochmals zu diesen Punkten befragt hat. Ich halte diese Kritik für unaufrichtig. Unser Autor hat mit Geyer/Ludwig keine Recherchenbefragung, sondern ein Interview geführt (er hat ihnen auch mitgeteilt, dass er zuvor mit Quarz gesprochen hat), und dieses Interview auch autorisieren lassen. Er hatte keinen Grund anzunehmen, dass jetzt plötzlich »die Hosen runtergelassen« und die Widersprüche aufgeklärt würden.

Ich bleibe dabei: Gerade bei sakrosankt autorisierten Interviews bietet mitunter nur der Weg zur Gegenseite eine Chance, der Wahrheit näher zu kommen – gerade dann, wenn zu widersprüchlichen Behauptungen die Belege verweigert werden.

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