Praktische Medienethik
Empathie für die Opfer – Terror-Berichterstattung auf Norwegisch

Anders Behring Breivik tötete in Oslo und auf Utøya 77 Menschen. Die Berichterstattung norwegischer Qualitätsmedien sorgte immerhin dafür, dass Tote, Verletzte und Angehörige danach nicht auch noch zu Opfern der Medien ihres Landes wurden.

Von Tim Kukral

Anders Børringbo, Redakteur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Norwegens (NRK), beschreibt die Reaktion norwegischer Medien auf die Anschläge von 2011. Dabei wird deutlich, wie eine ethische und hochwertige Berichterstattung möglich war: Indem die Medien der Trauer im Land Raum gaben – auch ihrer eigenen.

Gleich nach dem Massaker geriet der Täter Anders Breivik in den Fokus der Medien. Das war ganz in dessen Sinne: Breivik hatte vor den Morden mit seinem Manifest und den Fotos auf einem extra angelegten Facebook-Profil jede Menge Material bereitgestellt. Medien in Deutschland, Norwegen und anderswo stürzten sich bereitwillig auf die Quellen des Täters. Fernsehjournalist Børringbo hebt jedoch hervor, dass norwegische Medien trotz alledem nicht den Täter, sondern die Opfer ins Zentrum ihrer Berichterstattung rückten.

Auffällig ist, dass Børringbo „Wir“ sagt, wenn er von den norwegischen Medien spricht. Doch auch in Norwegen gingen längst nicht alle Journalisten verantwortungsvoll um mit den Anschlägen vom 22. Juli 2011.

Das Kurz-Interview mit Anders Børringbo führte Tim Kukral am Rande eines Symposiums zum Thema „Rechtsterrorismus – Wie gehen Medien damit um?“. Veranstalter des Symposiums war die Hamburg Media School in Kooperation mit der Norwegisch-Deutschen Willy-Brandt-Stiftung. In Ausgabe 1-2013 von Message finden Sie Beiträge zu den Themen des Symposiums.

Die Multimedia-Beiträge dieser Website wurden von Master-Studierenden der Universität Hamburg  in einer Journalistischen Projektwerkstatt unter Leitung von Prof. Dr. Volker Lilienthal erstellt. Kontakt: volker.lilienthal@wiso.uni-hamburg.de.
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18. Juni 2013

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