Sicherheit
Licht im Dunkel

Anonym im Netz: Das Darknet als Zufluchtsort für sensible Informationen.

von Lydia Ulbrich

Meist taucht der Begriff „Darknet“ in Zusammenhang mit Waffen, Drogen oder Kinderpornografie auf. Jenseits der dunklen Ecken eröffnet das anonyme Netz Journalisten neue Möglichkeiten.

Was ist das Darknet?

„Im deutschsprachigen Raum wird das Darknet häufig als neutrale Technologie bezeichnet, die eine sichere Kommunikation ermöglicht und bei der die Nutzer nicht identifiziert werden können“, erklärt Moritz Bartl vom Verein Zwiebelfreunde e.V., der Anonymität, Privatsphäre und Sicherheit im Internet fördert. Dieser Teil des Internet wird nicht von klassischen Suchmaschinen erfasst und kann nur über spezielle Software wie den kostenlosen Tor-Browser (kurz für: The Onion Router) erreicht werden. „Tor basiert auf dem populären Firefox Browser, ist aber optimiert für Anonymität“, sagt Bartl.

Publikumsmagnet „Darknet“: Referent Daniel Moßbrucker lockte mit seinem Workshop zu Recherchen im anonymen Netz die Massen an. / Foto: Jonas Walzberg

Publikumsmagnet „Darknet“: nr-Referent Daniel Moßbrucker lockte mit seinem Workshop zu Recherchen im anonymen Netz die Massen an. / Foto: Jonas Walzberg

Das Tor-Netzwerk besteht aus vielen einzelnen Servern (Knoten). Ruft ein Nutzer eine Website auf, so werden mehrere Server zufällig ausgewählt, um die Verbindung zu verschlüsseln. Für eine Internetseite bestehe so keine Möglichkeit, Profile ihrer Nutzer anzulegen. Gleichzeitig könne man mit Tor sogenannte „Onion Services“ (Zwiebeldienste) betreiben und dort anonym Inhalte für andere Nutzer zur Verfügung stellen.

Chancen für den Journalismus

Das Darknet eröffnet somit auch für Journalisten diverse Möglichkeiten, vor allem in Ländern, in denen das Internet stark überwacht und Menschenrechte wie die Presse-, Informations-, und Meinungsfreiheit eingeschränkt sind. Daniel Moßbrucker, Referent für Informationsfreiheit im Internet bei Reporter ohne Grenzen, sagt: „Im Darknet entziehen sich Journalisten der staatlichen Überwachung. Sie können sich dort mit Informanten austauschen, anonym Daten empfangen oder auf Websites surfen, die in ihrem Land eigentlich blockiert sind.“ Gleichzeitig diene Tor auch zur sicheren Recherche für investigative Journalisten, sagt Datenschützer Bartl. „Wer zu kontroversen Themen recherchiert, möchte nicht, dass das von Werbenetzwerken analysiert oder von Dritten abgegriffen werden kann.“

So könnten Journalisten das Darknet nutzen

Diese Vorteile machen das Darknet auch für Plattformen wie netzpolitik.org interessant. Gründer und Chefredakteur Markus Beckedahl erklärt, dass er das Tor-Netzwerk vor allem braucht, um anonym zu recherchieren und seine Quellen zu schützen. „Als Journalist hinterlasse ich so weniger Spuren und Informanten können besser und vor allem nicht nachvollziehbar Kontakt zu mir aufnehmen“, sagt Beckedahl.

Reporter ohne Grenzen betreibt laut Moßbrucker sogar zwei eigene Knotenpunkte im Tor-Netzwerk, mit denen die Nutzung des Darknets für Journalisten auf der ganzen Welt ermöglicht wird. Für ihn selbst sei vor allem der anonyme Datenaustausch interessant, um nicht auf Dienste wie Dropbox oder WeTransfer zurückgreifen zu müssen.

Wie viele Journalisten das Darknet in Deutschland nutzen, lässt sich nicht sagen. Im Zuge des NSA-Skandals und zunehmender Überwachungsbefugnisse für Sicherheitsbehörden steigt jedoch laut Moßbrucker das Bewusstsein für die Notwendigkeit, sich bei der Recherche anonym im Internet zu bewegen.

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