#nr15 Spezial | JournalistINNEN
Business trifft Lifestyle

Im Sommer 2013 gingen Susann Hoffmann und Nora Wohlert mit ihrer Website Edition F an den Start. Sie sehen sich als „digitales Zuhause für Frauen“. Im Interview spricht Gründerin Nora Wohlert über das Projekt.

Ein Interview von Petra Maier

Message: Welche Idee steht hinter Edition F?
Nora Wohlert: Frauenmedien fokussieren sich klassischerweise auf Themen wie Gossip, Beauty, Diättipps und Partnerschaft. Dahingegen sind Wirtschaftsmedien eher an Männer adressiert. Diese Lücke wollten wir schließen: Wir verknüpfen auf unserer Website wirtschaftliche und karrierebezogene Themen mit Lifestyle-Themen.

Ist Edition F einfach ein weiteres Magazin für Frauen?

Die Macherinnen von Edition F: Nora Wohlert und Susann Hoffmann (v.l.). Foto: Kirsten Becken

Die Macherinnen von Edition F: Nora Wohlert und Susann Hoffmann (v.l.). Foto: Kirsten Becken

Wir verstehen und als Community, die Inhalte zur Vernetzung und Inspiration nutzt. Im Mittelpunkt stehen unsere User und ihre Interessen. Nutzer können Nutzer folgen und so sehen, was sie kommentieren, was sie schreiben und was sie bewegt. In unserem Online-Magazin gibt es keine News, sondern Interviews, Porträts, Meinungen und Hintergrundstücke. Neben unserer Inhouseredaktion (3 Redakteurinnen) arbeiten wir auch mit freien Journalisten und ermöglichen User Generated Content. Wir wollen mit unseren Inhalten zum Denken anstoßen und eine Bühne geben. Zusätzlich geht es für viele um uns auch um den Job. Wir arbeiten alle viel und wollen weiterkommen und uns wohl fühlen. Deshalb haben wir auf der Website auch eine Jobbörse mit Stellenanzeigen und Premium-Profilen von Unternehmen. Wir möchten so einen Blick hinter die Kulissen bieten. In klassischen Jobbörsen findet man zwar viele Anzeigen, aber man kann das Unternehmen dahinter nicht so richtig kennenlernen. Wer arbeitet da? Wie tickt das Unternehmen? Wie sieht mein künftiger Arbeitsplatz aus? Was bietet das Unternehmen mir, außer dem Geld?

Warum braucht die deutsche Medienlandschaft mehr Frauen?
Die Medienlandschaft ist allgemein schon recht weiblich. Aber in vielen Spitzenpositionen fehlen Frauen noch. Zusätzlich muss man sich immer Fragen, welche Bilder Medien transportieren und sehr oft werden noch Klischees bedient. Das wird sich auch ändern, wenn mehr Frauen in wichtige Positionen kommen. Bei uns im Team arbeiten sowohl Frauen als auch Männer. Ich glaube auch, dass gemischte Teams immer die besten Ergebnisse erzielen. Es ist auch gut, wenn Leute mit unterschiedlichem Erfahrungshorizont zusammenarbeiten. Zudem arbeiten bei uns Entwickler, Marketing und Redaktion in einem Raum. Das schafft Barrieren ab, die es in großen Konzernen oft gibt.

Gibt es etwas, was Journalistinnen von ihren männlichen Kollegen lernen können und andersrum?
Ich bin immer kein großer Fan von diesem: So sind Männer und so sind Frauen. Aber es gibt bestimmt Sachen, die Männer von Frauen lernen können, genauso wie andersrum. Ein Klassiker wäre: Empathie oder ein Gefühl dafür, wo ein Mitarbeiter steht, Zuhören. Vielleicht auch eine stärkere soziale Komponente im Führungsbereich. Und was Frauen von Männern lernen können, ist, einfach einmal nach vorne zu preschen. Ich beobachte zum Beispiel, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen zurückhaltender sind. Oder im Startup-Bereich nicht verhandeln, das sie auch Anteile an einem Unternehmen bekommen. Ich glaube das ist etwas, da fragen Frauen viel seltener nach, als Männer das tun.

Was muss man mitbringen, um ein eigenes Projekt zu starten?
In erster Linie ist die Idee wichtig. Wir hatten total Lust, etwas für diese Zielgruppe zu machen: Frauen zwischen 25 und 45, die sich beruflich weiterentwickeln wollen, denen aber auch noch andere Themen rund um den Genuss wichtig sind. Und das hat uns sehr stark getrieben. Für mich war es auch wichtig, dass wir das gemeinsam machen. Also jemanden zu haben, der ein enger Partner ist und mit dem ich auch gemeinsam Entscheidungen treffen kann. Und: Der Zeitpunkt war genau richtig. Direkt nach dem Studium hätten wir diesen Schritt nicht gewagt. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt einige Jahre Berufserfahrung gesammelt. Das war sehr hilfreich.

Würdest du rückblickend etwas anders machen?
Vieles lief gut, vieles nicht. So ist das Startup-Leben. Wir sind aber grundsätzlich schon sehr glücklich. Wir erreichen zum Beispiel 250.000 Nutzer jeden Monat, was schon ganz gut ist und wir wachsen weiter. Das zeigt, dass wir eine Lücke füllen. Wir verdienen jetzt auch unser erstes Geld. Man darf in der Entwicklung aber nie stehenbleiben: Das ist ein kontinuierlicher Prozess. Würde ich alles nochmal machen, würde ich am Anfang etwas mehr Geld von Investoren sammeln, weil das Thema Finanzierung sonst sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Wenn wir da mehr Luft gehabt hätten, hätten wir mehr Zeit gehabt, um uns um das Produkt zu kümmern.

Das hört sich alles sehr unternehmerisch an. Inwiefern muss man als Journalist heutzutage Unternehmer sein?
Ich bin mittlerweile bestimmt mehr Unternehmer als klassische Journalistin. Ich liebe Inhalte und mache ja auch die Chefredaktion bei uns. Ich beschäftige mich auch gerne mit Themen und schreibe Artikel. Allerdings habe ich eine sehr strategische, unternehmerische Komponente in mir. Ich mache mir auch gern Gedanken über das Budget, das Produkt und die Strategie. Ich denke, ein klassicher Journalist muss aber nicht unbedingt unternehmerisch denken, sondern er braucht eine Neugier, muss Themen entdecken, Meinungen entwickeln und digital denken.

Inwiefern spielt die Markenbildung bei euch eine Rolle?

Ich glaube, die Marke ist zentral wichtig für Edition F. Das ist schon ein Thema, eine Marke aufzubauen, die auch ein gewisses Vertrauen stiftet. Und ich glaube, dass wir schon erreicht haben, dass Edition F eine sehr emotionale Marke ist. Gleichzeitig schafft man auch ein Netzwerk, das sich gegenseitig stützt und stärkt und nach vorne bringt.

Inwiefern ist es wichtig, als Journalist ein Profil auszubilden?

Journalismus ist natürlich schon sehr personengetrieben. Ich glaube, dass Journalisten mit ihrer Person sehr stark für das stehen, was sie schreiben – außer im klassischen Nachrichtensegment. Journalisten müssen sich mehr trauen, Profile zu entwickeln. Davon profitiert man als Autor. Man muss auch ein stückweit in der Öffentlichkeit stehen können und vielleicht auch mal seine Meinung äußern, wenn die nicht sehr populär ist.

Wie wichtig sind Social Media für Euch?
Wir kriegen insgesamt 60 Prozent unseres Traffics auf Edition F über soziale Medien. Facebook ist unsere wichtigste Traffic-Quelle, ähnlich ist es bei Twitter. Social Media ist also schon wichtig für uns. Insbesondere deshalb, weil wir der Meinung sind, dass nicht immer alles auf unserer Seite stattfinden muss. Wir haben auch gern Debatten, die sich bei Twitter oder bei Facebook entzünden.

Hast du denn Tipps, wie sich junge Journalisten in der Medienbranche behaupten können?
Ich würde jedem empfehlen, ein Profil zu entwickeln und so viel wie möglich zu schreiben. Gerade am Anfang kann man das über Praktika abbilden. Man sollte sich auch überlegen, welche Themen einem liegen und sollte diese dann pro-aktiv anbieten. Es hilft auch enorm, wenn man einen eigenen Blog hat. So merkt man, wie Leser funktionieren, was gelesen wird und was nicht und kann sich überlegen, welche Kanäle man bespielt. Also schreiben, schreiben, schreiben. Und: Lesen. Lesen ist total wichtig. Man braucht schon ein Gefühl dafür, was und wen man gerne liest.

14. August 2015