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Werden Blogger durch einen Kodex gegängelt?

Von Matthias Winkelmann | 5.Juli 2008

Bisher hat der Deutsche Presserat Beschwerden zu Online-Inhalten immer abgelehnt. Nun aber sollen, wohl noch in diesem Jahr, Online-Beiträge der Tagespresse ebenso in die Zuständigkeit des Presserats fallen. Das scheint zunächst sinnvoll, warum sollten für die Online-Inhalte der Zeitungen nicht dieselben Standards gelten, wie für die Zeitungen auch?

Jedoch frage ich mich, ob die Prüfung der Inhalte von Zeitungen im Netz nicht nur der erste Schritt ist. Werden bald auch Weblogs unter die Kontrolle des Presserat oder ähnlicher Gremien fallen? Die Freiheit der Blogger scheint in Gefahr. Erste Anzeichen der Einflussnahme gibt es ja bereits. So sucht die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) derzeit nach Richtlinien, die Nutzung ihrer Inhalte durch Blogger zu beschränken.

Und auch sonst werden einmal mehr Stimmen laut, die einen Kodex (Code of Conduct) fordern, der das Verhalten von Bloggern reglementiert. Die estländische sozialdemokratische Abgeordnete des Europäischen Parlaments beispielsweise, Marianne Mikko, sorgt sich zum Beispiel in ihrem Bericht zur Konzentration der Medien in Europa darüber, dass der rechtliche Status von Bloginhalten nicht klar sei. Das gelte für die Haftbarkeit und den Quellenschutz. Außerdem seien Blogs zu oft nicht unabhängig und verlässlich, denn der Standpunkt und die Herkunft der Autoren seien dem Leser nicht deutlich. Es bedürfe daher auch hier eines Code of Conduct. Die Argumente sind nachvollziehbar und die angesprochenen Schwächen existieren tatsächlich.

Das Internet ist bisher ein Ort der relativen Meinungsfreiheit. Es scheint jedoch wieder einmal Bestrebungen zu geben, zum Beispiel vonseiten der EU, die Freiheit der Blogger einzuschränken.

Daher stellt sich mir die Frage: Sollten Blogger nicht unsinnigen Regelungen von Außenstehenden zuvor kommen? Schließlich vertreten die oft ganz andere Interessen als die der Meinungsfreiheit. Sollten wir dem nicht zuvorkommen und uns in kontroverser offener Diskussion selbst einen Code of Conduct geben? Versuche dazu gibt es ja bereits zahlreiche, u. a. vom irischen Softwareentwickler Tim O´Reilly, in der Schweiz oder auch von hiesigen Medienbloggern.

Sollte die Bloggerszene also warten, bis sie reglementiert wird, oder wird sie sich ihre eigenen Regeln geben? Seien wir doch ehrlich. Viel, von dem, was in Blogs steht, sollte nicht im Internet öffentlich gemacht werden. Auch die Meinungsfreiheit hat ihre Grenzen. Deswegen liegt es an uns, uns selbst Regeln zu geben, was im Internet vertretbar ist und was nicht! Sonst werden es andere tun!

Topics: Blogosphäre, Kodex, Presserat |

9 Kommentare to “Werden Blogger durch einen Kodex gegängelt?”

  1. Kai Rüder meint:
    8.Juli 2008 at 19:38

    Die Gefahr, dass Blogs in den Zuständigkeitsbereich des Presserates geraten könnten, besteht meines Erachtens überhaupt nicht. Er ist ja ein Selbstkontroll-Gremium der, wie der Name schon sagt, Presse - bestehend aus Mitgliedern von Journalisten- und Verlegerverbänden. Der Presserat könnte seinen „Einfluss“ ja nur dann auf sie ausweiten, wenn Blogger unter dem Einfluss von eben diesen Verbänden stünden (und das tun sie wohl nur, wenn sie für Tageszeitungen bloggen). Dass Online-Angebote von Tageszeitungen einbezogen werden sollen, halte ich aber für sehr sinnvoll. Dass ethische Maßstäbe und Qualitäts-Kriterien von ihnen auch im Web befolgt werden, ist zwingend notwendig- wer soll es denn sonst machen?

    Presserat zuständig für Blogs: Ist das eigentlich eine Springer-Idee um den BILD-Blog endlich unschädlich zu machen? ;) das würde ganz gut hier her passen.

  2. Matthias Winkelmann meint:
    9.Juli 2008 at 12:43

    Dass Blogs unter die Kontrolle des Presserats fallen, ist nicht sehr wahrscheinlich, das gebe ich zu, deswegen schrieb ich ja auch “Presserat oder ähnliche Gremien”.

    Es ist schließlich nicht ausgeschlossen, dass es eine Institution geben kann, die dieselbe Wächterfunktion (ob wirksam oder nicht, sei vorerst dahingestellt) in der Blogosphäre annimmt, wie der Presserat bezüglich der Presse. Überlegungen dazu gibt es mal wieder, wie oben bewiesen.

    Ich denke, wir sollten uns weniger an der Interpretation einzelner Wortgruppen aufhalten und lieber überlegen, wie wir den von außen eingebrachten Regeln zuvorkommen – nämlich durch eigene Regeln.

  3. Kai Rüder meint:
    9.Juli 2008 at 13:36

    Ich halte es einfach für rechtlich kaum machbar, Blogger in irgendeiner Form an einen Kodex, an Richtlinien irgendeines Gremiums zu binden. Ein deutscher Presserat (um mal bei dem Beispiel zu bleiben) kann das allein schon nicht lesiten, weil es eben der DEUTSCHE Presserat ist. Das Internet funktioniert ja nun nicht innerhalb von Ländergrenzen. So hätte auch ein europäisches Gütesiegel für Blogs keine globale Bedeutung. Außerdem gibt es ja schon ein paar Regeln, Stichwort “Netiquette”. Man muss das vielleicht einfach wieder ein wenig ins Bewusstsein holen. Und was rechtliche Beschränkungen angeht: Abwarten und Teetrinken. So einfach ist das nicht.

  4. Matthias Winkelmann meint:
    11.Juli 2008 at 19:51

    Heißt das, wir warten einfach auf die staatliche Reglementierung, die kommen wird, weil wir zu beschränkt sind, Regeln für uns selbst aufzustellen? Das kann doch auch nicht die Lösung sein!

    Zuerst muss es einen Kodex geben, mit dem sich möglichst viele über freiwillige Selbstverpflichtung identifizieren können. Dann sollten die Blogger ein Organ kreieren, das darüber wacht. Rechtlich ist das nicht bindend, aber die Befolger des Kodex könnten die, die dagegen verstoßen, aus ihren Blogs ausschließen, oder?

  5. Lars Michael Lehmann meint:
    15.Juli 2008 at 13:59

    Ich bin auch der Meinung das wir ein: Blogger-Organ in leben rufen sollte als Selstverpflichtung, daher sollten wir nicht auf eine staatliche Reglementierung warten, da wären wir wirklich schön beschränkt.

    Jeder seriöse Blogger sollte damit auch kein Problem damit haben, sich diesen Kodex anzuschließen.

  6. Matthias Winkelmann meint:
    15.Juli 2008 at 14:58

    Da sind wir absolut einer Meinung! Auch wenn wir damit wohl relativ allein dastehen, wie die Resonanz auf den meinen Eintrag zeigt.
    Die Frage ist, wie sich die Blogger selbstständig ein Organ schaffen können, dass auch breite Akzeptanz findet? Mir fehlt ein wenig der Ansatz, denn verbindlich muss es schon sein.

  7. Lars Michael Lehmann meint:
    15.Juli 2008 at 15:52

    Ich setzte bald einen eigenen Kodex auf meinen Weblog mir ist das Thema wichtig!

  8. Matthias Winkelmann meint:
    16.Juli 2008 at 13:54

    Das finde ich sehr lobenswert, aber wäre, zumindest perspektivisch, ein allgemeingültiger wichtiger? Das Argument für einen von außen aufgestülpten Kodex durch staatliche Organe würde bestehen bleiben, auch wenn Du Deinem Kodex folgst, weil sich nicht alle daran halten.

    Und das würde Dich auch wieder treffen, oder? Von daher ist das ein erster Schritt, aber darf es dabei bleiben?

  9. Kai Rüder meint:
    21.Juli 2008 at 21:17

    Ich finde die Idee Klasse, schließlich kann sich nur auf diesem Weg etwas im Blogger-Sinne ändern.

Kommentare