Südost-Europa
Im Oligarchen-Reich

Wegen des Filzes aus Politik, Oligarchen und Medien lässt sich die Berichterstattung in Serbien kaum mehr als objektiv bezeichnen. Der WAZ-Konzern wollte mitmischen und scheiterte.

von Hubert Beyerle

Blic, die größte Boulevardzeitung Serbiens, schrieb am 31. August 2012: »Blic war zu keiner Zeit eine Parteizeitung – weder zu Milosevics Zeit noch unter Djindjic, Kostunica und Tadic. Sie wird es auch künftig nicht sein, wenn Serbien von der Fortschrittspartei regiert wird.« Wenn eine Zeitung sich in der Pflicht sieht, eine solche Erklärung über die eigene Unabhängigkeit abzugeben, muss sie dazu wohl provoziert worden sein.

In diesem Fall kam die Provokation von der seit Juli 2012 regierenden Fortschrittspartei des neuen Präsidenten Tomislav Nikolic. Sie ließ Ende August per Pressemitteilung verlauten, die Partei des Vorgängerpräsidenten Boris Tadic kontrolliere bestimmte Medien, darunter auch Blic, und solche Medien trügen mit ihren »täglichen Lügen und brutalen Erfindungen« Mitschuld an der gesellschaftlichen Krise, die die Vorgängerregierung verursacht habe. Eine so raue Tonlage war allerdings selbst für Serbien nicht unbedingt üblich.

Dunkle Hintermänner

Wer hinter welcher Zeitung steckt, ist in Serbien immer wieder Gegenstand beliebter Spekulation und endloser Verschwörungsgeschichten. Dass darüber spekuliert wird, zeigt, wie wenig insgesamt über die Besitzstruk­turen bei den Zeitungen bekannt ist. Um mehr Transparenz zu schaffen, versuchte sich der Anti-Korruptionsrat daran, die Eigentümer der 30 größten Medieneinrichtungen zu bestimmen – und scheiterte in fast der Hälfte der Fälle. Nur 18 Eigentümer ließen sich klar identifizieren.

In einem solchen Umfeld spielen ausländische Investoren fast automatisch russisches Roulette. Warum der eine scheitert und der andere Erfolg hat, ist nicht offensichtlich, denn in Serbien ist unternehmerischer Erfolg nur bedingt planbar.

WAZ-Gruppe zieht sich zurück aus Serbien

Die deutsche WAZ-Gruppe scheiterte an Serbien, sie musste sich im Sommer 2012 nach fast zehn Jahren aus Serbien weitgehend verabschieden. Ihr Serbien-Engagement war kontrovers, zog einen Imageschaden nach sich und wohl auch Verluste, aber dazu schweigt der Verlag.

Ganz im Gegensatz dazu steht das Joint Venture von Axel Springer und dem Schweizer Verlag Ringier. Es beherrscht den serbischen Boulevardmarkt, gibt dazu einige Special-Interest-Titel heraus und behauptet, profitabel zu sein. Was kann Ringier Axel Springer, was die WAZ nicht kann?

Der Abzug der WAZ aus Serbien war begleitet von einer Schlammschlacht, in der der damalige Wirtschaftsminister Mladan Dinkic 2010 über den Medienkonzern erklärte: »Für die WAZ ist in Serbien kein Platz.« Ihr Scheitern lag nur teils in der leichtsinnigen Bereitschaft des WAZ-Geschäftsführers Bodo Hombach begründet, sich mit einigen dubiosen Geschäftsleuten, nach russischem Vorbild »Oligarchen« genannt, einzulassen.

Deutlich schwerer wogen hingegen die Spezifika der Medienlandschaft in Serbien. Während Ringier Axel Springer sich im Wesentlichen auf den Boulevard konzentriert, versuchte sich die WAZ …

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