Piraten-Partei
»Gleich geköpft«

Der Chefkorrespondent der Leipziger Volkszeitung, Dieter Wonka, erklärt im Message-Interview, warum er die Piraten für unerfahrene Amateure und ihre Art der Kommunikation für ermüdend hält.

Herr Wonka, Sie haben als bundespolitischer Korrespondent drei Jahrzehnte Erfahrung, erst in Bonn und jetzt in Berlin. Wie bewerten Sie den Auftritt der Piratenpartei angesichts Ihrer Erfahrungen?

Dieter Wonka: Geschichtsvergleiche hinken zwar, aber vieles erinnert mich an den Etablierungsprozess der Grünen in den 1980ern. Der Medienbetrieb damals war auch vom traditionellen Politikbetrieb erschöpft und den Journalisten hingen die Standardfloskeln der tradierten Parteien und Politiker zum Halse raus. Und in so eine Atmosphäre platzten die Grünen hinein – eine neue Bewegung, die sich kaum um Konventionen scherte und mit neuer Transparenz den ganzen Laden aufmischen wollte. Sie hatten aber auch ein Thema mit Zukunft zu bieten.

Vor allem junge Journalisten sympathisierten damals mit den Grünen.

Damals wie heute veranlasste die scheinbar festgefahrene Situation viele Journalisten, den Neuen mit einer Art Grundsympathie zu begegnen. Man dachte wohl: Die wirbeln auf, was uns Journalisten mit den besten Leitartikeln und kritischsten Beiträgen nicht gelingt. Darin liegt aber auch eine Gefahr: Wie damals auch, scheinen einige Kollegen Teil dieser solidarischen Gemeinschaftsbewegung geworden zu sein.

Der Wunsch nach Nähe zu Parteien ist aber allgemein verbreitet. Denken Sie an die vielen Hintergrundgesprächskreise in Berlin.

Das ist etwas anderes. Hier geht es um eine kleine Journalisten-Gruppe, die sich mit Inbrunst und Volldampf in die Piratenwelt stürzt und alles aufsaugt. Wenn man an den Diskussionen der Piratenpartei dranbleiben will, muss man das wohl auch tun. Aber ich weiß nicht, ob man gleich zur Duzgemeinschaft übergehen muss. Die Gefahr, zum Fürsprecher für eine Bewegung zu werden, weil man sich wünscht, dass sie anhält und stärker wird, ist bei einigen jungen Kollegen in der Tat groß.

Bei Ihnen offensichtlich nicht.

Ich bin skeptisch. Und das hat viel mit der Arbeitsweise der Piraten zu tun. Den Diskussionsprozess bei den anderen Parteien kann ich relativ gut mit Hintergrundgesprächen, Pressekonferenzen und Parteitagen erfassen. Das geht mit den atomisierten Piraten nicht. Da darf sich keiner positionieren, sonst ist es gleich vorbei mit ihm. Ich weiß nicht einmal, wen ich vor mir habe, wenn ich mit dem Vorsitzenden der Piraten rede.

Könnte das vielleicht auch daran liegen, dass Sie die Kommunikationsmittel der Piraten nicht beherrschen?

Das kann schon sein. Aber die Frage ist ja auch: Will ich da alle wirklich so beherrschen, dass sie mich beherrschen? Junge Kollegen sehen das vielleicht anders …

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