Medientrends
Spendierte Recherche

Stiftungen, Firmen und Privatpersonen finanzierenRecherchen,Internetauftritt und Arbeitsplätze. Chefredakteur Mike Hoyterklärt, wie das New Yorker Journalismus-Magazin ColumbiaJournalism Review der Wirtschaftskrise trotzt.

von Luc Hermann

Herr Hoyt, trifft dieWirtschaftskrise auch ein Medienmagazin wie die Columbia JournalismReview?

Mike Hoyt: Wir schreiben mittlerweile das vierte Jahr in Folgeschwarze Zahlen. Aber die CJR ist der Columbia University in New Yorkangeschlossen. Die Journalistenschule ist unser Herausgeber. Dortkönnen wir kostenlos die Büros nutzen. Bis vor ein paarJahren ist die Uni auch eingesprungen, wenn es wirtschaftlich mal nichtso lief. Doch die Zeiten sind vorbei. Die Uni kann das nicht mehrleisten. Wir müssen jetzt selbst über die Runden kommen. Gottsei Dank mussten wir bislang niemanden entlassen. Bei der CJR arbeitenneun festangestellte Redakteure, drei feste Pauschalisten und zweiMitarbeiter, die sich ausschließlich um das Geschäftlichekümmern, sowie zwei ehrenamtliche Berater. Wir erscheinen imZweimonats-Rhythmus.

Wie schafft es der CJR, in so schwierigen Zeiten mit dieser relativguten personellen Ausstattung und einer Auflage von 3.000 Exemplarenschwarze Zahlen zu schreiben?

Mike Hoyt: Wir haben unsere Einnahmequellen diversifiziert undstehen jetzt wirtschaftlich auf drei Beinen: Abonnements, Werbung undSponsorengelder.

Auf der Liste ihrer Geldgeber finden sich Namen wie The AtlanticPhilanthropies, Citigroup, The Ford Foundation, Goldman Sachs oder derRockefeller Brothers Fund. Wie viel Geld geben die?

Mike Hoyt: Derzeit kommtvon Stiftungen der Großteil unserer Gesamtfinanzierung.Allerdings bitten wir mittlerweile auch mehr und mehr Einzelpersonen umUnterstützung. Bei uns arbeitet eine sehr gute Akquisiteurin. Siehat eine zentrale Position im Unternehmen. Dennoch ist es jedes Jahrein Überlebenskampf. Aber irgendwie schaffen wir es immer, obwohldie Werbeeinnahmen im Blatt sinken und auch im Internet nicht dieGrößenordnungen erreichen, von denen alle geträumthaben.

Haben sich bei Ihnen Arbeitsweisen und Inhalte wegen derwirtschaftlichen Schwierigkeiten verändert?

Mike Hoyt: Als ich 2001 das Heft von David Laventholübernahm, war es stark wirtschaftsorientiert. Ich wollte esweiterentwickeln, hintergründiger und meinungsstärker machen,wollte stärker Ideen diskutieren. Wir wurden dann mehr zumWatchdog der Branche und haben zum Teil vielleicht auch zu viel Schelteausgeteilt. Mittlerweile versuchen wir, den Journalisten stärkerHilfestellung zu geben, sind nutzwertiger geworden – auch vor denHintergrund, dass der amerikanische Journalismus in massivenwirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt und die Frage offen ist, werfür seriöse Berichterstattung bezahlt.

Welche Hilfestellungen kann die CJR denn in so einer Situation geben?

Mike Hoyt: Drei der sechs Ausgaben des vergangenen Jahresbefassten sich mit dem Thema, wie Qualitäts­journalismuswirtschaftlich überleben kann. Für die drei Ausgaben bekamenwir übrigens den Bart Richards Award for Media Criticism. In derersten Ausgabe ging es um die Frage, ob wir mit Innovationen einenAusweg aus der Krise finden können. Wir fragten Kreative nachIdeen für ihr Medium und, wie es für sie in fünf Jahrenaussehen könnte. Dann ging es um Fragen der Finanzierung,Bezahlmodelle im Netz und das Thema Google. Wir kamen zu dem Befund,dass es im Netz noch keinen funktionierenden Ansatz gibt. Und sosetzten wir uns in der dritten Ausgabe damit auseinander, ob und wiedie Medienpolitik und Regierung helfen könnten. Und ich kann Ihnenversichern, mit dem letzten Thema haben wir uns weit aus dem Fenstergelehnt. Das ist ein Ansatz, auf den amerikanische Journalistenäußerst allergisch reagieren.

Erklärt sich die Reaktion mit dem alten Schreck­gespenst derStaatskontrolle?

Mike Hoyt: Viele amerikanische Journalisten glaubentatsächlich nicht daran, dass die Medienpolitik der Regierung soreformiert werden kann, dass sie unabhängiger Berichtersattungdient. Sie glauben, Regierungshilfe gehe einher mit Kontrolle. Nunkönnte man dagegen halten: Die Regierungspolitik beeinflusst dieMedien schon heute ganz erheblich, etwa über die Vergabe vonSendelizenzen, Internet-Regulierungen, Vergünstigung derPostgebühren für Presseperiodika, Kartellrecht und so weiter.Außerdem sind ja auch die jetzigen Geschäftsmodelle mitKonflikten durchsetzt. Da kann eine Familie oder auch eine einzelnePerson die redaktionelle Linie eines ganzen Medienkonzerns festlegen.Profiterwartung spielt eine Rolle. Die damit verbundenen Gefahrenfür die Freiheit des Journalismus müssen fortwährenddiskutiert werden. Dabei spielt die berufliche Integrität vonChefredakteuren und Journalisten eine immens wichtige Rolle.

Die Frage ist, ob eine neue Medienpolitik formuliert werden kann, dieder Regierung keine Kontrolle über redaktionelle Inhalte gibt.Diese heilige Linie sollte nicht überschritten werden.

Sie haben einen recht aufwändigen Internetauftritt. Wiefinanzieren Sie den?

Mike Hoyt: 2004 bekamen wir einen großen finanziellenZuschuss, um über die Präsidentschaftswahl zu berichten.Damit konnten wir nicht nur unser Personal aufstocken, sondern auchunsere Web-Präsenz ausbauen. Die Webseite ist sehr wichtigfür unsere Arbeit geworden, da haben wir mittlerweile 150.000Besucher pro Monat. Die Webseite brauchen wir auch, um im Heftgrößere Freiheiten zu haben. Dort spielen sich die aktuellenThemen ab, im Heft vertiefen wir. Die American Journalism Review, unsergroßer Konkurrent, ist etwas vom Kurs abgekommen. Die haben keineaktive Website.

Refinanziert sich Ihre Website inzwischen?

Mike Hoyt: Nein. Wir haben sie nach vierThemen­schwerpunkten gegliedert: Wissenschaft, Wirtschaft, Politikund Zukunft der Medien. Zudem bieten wir Ak­­tuel­­les.Für die vier Schwer­­punkte suchen wir je­­weilsSpon­soren. Für das Wissenschafts­ressort sprechen wirUm­welt­­in­sti­tutionen, auchForschungs­unter­nehmen an. Für den Wirtschaftsteil suchenwir in der Wirtschaft und so weiter. Mit drei Sponsoren ist derWirt­schaftsteil derzeit am besten unterstützt. Wir bekommenalso Mittel für verschiedene Themen­bereiche, aber auchfür spezielle Projekte. Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich dieneue Stra­tegie, nach Ein­zel­sponsoren fürThemenbereiche zu suchen, in Zukunft noch stärker auszahlen wird.

Was steckt dahinter, wenn Sie sagen, Sie bekommen Mittel fürkonkrete Projekte?

Mike Hoyt: Ein aktuelles Beispiel: Wir kooperieren mit jungenForschern, die untersuchen, wie mit Missverständnissen undLügen im Verlauf politischer Kampagnen umgegangen werden sollte,damit sich im Fortlauf der Berichterstattung nicht eben dieseMissverständnisse und Lügen reproduzieren, wiederaufgegriffen werden und so beim Rezipienten einprägen. Der Schadenfür die Berichterstattung soll möglichst begrenzt werden. DieWissenschaftler wollen nun mögliche Wege testen, wie man insolchen Situationen eine saubere Berichterstattung hinbekommt. Mitdiesem Projekt gehen wir nun auf potenzielle Sponsoren zu und hoffenauf offene Türen.

Bringt dieses Sponsoring-Modell nicht die Gefahr mit sich, dass es zuGefälligkeitsjournalismus kommt?

Mike Hoyt: Es ist eine verzwickte Angelegenheit! Mit diesemFinanzierungsmodell könnte  …

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