Editorial

Liebe Leserinnen, Liebe Leser
Lutz Mükke

in rasantem Tempo sind in den letzten Jahren weltweit dutzende Organisationen, Initiativen und Zentren für investigativen Journalismus entstanden. Netzwerke ambitionierter Kolleginnen und Kollegen umspannen heute den gesamten Globus. Vor allem eines eint sie – das Rollenverständnis, Journalismus habe dem Gemeinwohl zu dienen und die Mächtigen zu kontrollieren.

Die »Offshore Leaks«-Enthüllungen der vergangenen Wochen belegen eindrucksvoll, wozu diese neu entstandene globale Kraft in Kooperation mit »traditionellen Medien« in der Lage ist. In unserer Titelstrecke berichtet Stefan Candea, Mitbegründer des Rumänischen Zentrums für Investigativen Journalismus, wie nervenaufreibend es war, das Rechercheteam für die Region Osteuropa zu koordinieren (Seite 10). Brigitte Alfter, langjährige Mitarbeiterin der dänischen Initiative Scoop, erklärt im Interview, warum sich niemand mehr in nationalen Mustöpfen verstecken sollte (Seite 16). Und Peter Hornung, Mitarbeiter des Reporterpools des Norddeutschen Rundfunks, dokumentiert die »reiche Ernte« an Reaktionen auf die Enthüllungen über die weltweit organisierte Steuerhinterziehung: Internationale Organisationen und Regierungen gerieten unter starken Zugzwang, und die bereits eingeläuteten Veränderungen sind ein überaus aufmunternder Beleg für die Vitalität des Journalismus (Seite 18).

Ähnlich positive Entwicklungen wünschte man sich auch in anderen Bereichen unseres Berufsfeldes: »Die Drecksarbeit« in der Auslandsberichterstattung machen oft »Stringer« oder »Fixer«. Besonders in Krisen- und Kriegsgebieten sind solche Mitarbeiter unersetzlich. Ruhm und Anerkennung stecken jedoch meist ihre ausländischen Counterparts ein. – Drew Sullivan, Mitbegründer des »Organized Crime and Corruption Reporting Projects«, plädiert für einen neuen, fairen Umgang auf Augenhöhe (Seite 40). Besonders prekär ist die Lage jener afghanischen Kollegen, die in Kabul, Kundus oder Kandahar Reportern aus aller Welt verschlossene Türen öffnen. Unter welchem Risiko sie arbeiten und was aus ihnen wird, wenn die westlichen Truppen Afghanistan verlassen – diese Fragen reflektiert Ronja von Wurmb-Seibel ab Seite 44.

Darüber hinaus schreiben auch in dieser Message-Ausgabe wieder viele kompetente Kolleginnen und Kollegen. Drei seien an dieser Stelle noch erwähnt: In ihrem exzellenten Beitrag »Ein Mensch voller Scham« erzählt Zeit-Redakteurin Heike Faller, wie ihre Kisch-Preis-Reportage »Der Getriebene« entstand (Seite 56). Mit Gewinn werden Sie sicher auch lesen, welche Erfahrungen der langjährige Spiegel-Reporter Christian Neef mit russischen Behörden sammelte (Seite 64). Und der ehemalige Message-Redakteur Martin Niggeschmidt zeigt an aktuellen Beispielen, wie der Spiegel im »Fall Sarrazin« an seinem eigenen Aufklärungsanspruch scheitert (Seite 68).

Bleiben Sie dem Journalismus und Message gewogen. Mit besten Grüßen der gesamten Message-Redaktion

Ihr

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