Offshore Leaks
Die Kraft globaler Vernetzung

Während traditionelle Medien sich häufig vom Recherchejournalismus verabschieden, gründen Journalisten weltweit dutzende investigative Netzwerke. Der Fall »Offshore Leaks« zeigt, wozu sie fähig sind.

von Stefan Candea

Als ich die Daten des »Offshore Leaks«-Projekts Anfang 2012 zum ersten Mal sah, war ich sofort begeistert. Auf einen Schlag hatte ich Zugang zu E-Mails aus mehr als einem Jahrzehnt und Informationen zu den Nutznießern von Offshore-Unternehmen. Ich überprüfte sofort alle Prominenten meines Landes und meiner Region. Danach testete ich einfach stichprobenmäßig Ideen, Theorien und Nachrichten, auf die ich gestoßen bin. Es war wie ein Spiel. Ich fühlte mich wie die Fliege an der Wand von Büros in Steueroasen. Ich wurde regelrecht süchtig danach.

Informationen untermauern

Die Ernüchterung kam schnell. Abgesehen von ein paar Prominenten sind da hunderttausende von Namen, die einem erst einmal gar nichts sagen. Ich suchte nach einem Muster und nach relevanten Hintergründen statt nach zusammenhangloser Information vom Typ »Person A gründete Unternehmen B«. So war es etwa nicht relevant, dass der Präsident von Aserbaidschan, seine Frau und seine beiden Töchter einige Offshore-Unternehmungen besitzen. Wichtiger war es, Hintergrundinformation zu dem Direktor dieser Firmen zu recherchieren, einem Geschäftsmann, der Milliarden an Staatsgeldern von der Regierung und der präsidialen Verwaltung bekommen hatte, um überteuerte Großbauprojekte zu finanzieren. Solch eine Recherche ist ein quälend langsamer Prozess. Als es mir endlich gelang, nach und nach die Punkte miteinander zu verbinden – da war der Suchtfaktor wieder da.

»Offshore Leaks« hat die Welt bewegt, und während ich dies hier schreibe, werden weitere Geschichten veröffentlicht. Das war nur möglich, weil sich Journalisten von überall her im Internationalen Consortium für Investigativen Journalismus (ICIJ) zusammengetan und gemeinsam recherchiert haben. Viele von ihnen arbeiten außerhalb der etablierten Medien. Begonnen hat das alles vor mehr als zehn Jahren.

Unabhängige Netzwerke entstehen

Investigative Journalisten in unterschiedlichen Ecken der Welt verließen ihre Redaktionen, um unabhängige, meist gemeinnützig arbeitende Organisationen zu gründen – manchmal ohne voneinander zu wissen. Nach und nach erwuchs daraus eine internationale Community, die sich seit 2001 bei den Global Investigative Journalism Conferences und bei regionalen Folgekonferenzen trifft. Die Mitglieder dieser Community verbessern laufend ihre Recherchefähigkeiten und werden immer professioneller. Sie haben sich über Grenzen hinweg organisiert und abseits der traditionellen Medien ein eigenes Refugium geschaffen. So bilden sie eine neue Art informeller Organisationen: vernetzte investigative Zellen. Auch das ICIJ ist ein solches Netzwerk.

2001 haben wir unser Rumänisches Zentrum für investigativen Journalismus (CRJI) gegründet. Damals kannten wir nur vier andere Projekte dieser Art, mittlerweile gibt es fast hundert solcher Zentren, immer neue sprießen auf der ganzen Welt. Auch die Global Investigative Journalism Conference erlebt gerade eine Hochphase. Am diesjährigen Treffen im Oktober werden etwa 1.000 Journalisten teilnehmen …

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