Datenjournalismus / BBC
»Es entstehen neue Geschichten«

Der technische Fortschritt und der Zugang zu öffentlichen Daten machen es Journalisten möglich, aus Datenmassen »Stories« zu filtern. Ein mathematischer Blick auf die Realität hilft dabei.

Seit sieben Jahren gilt in Großbritannien der »Freedom of Information Act«, der es Journalisten erlaubt, durch Anträge an bisher geheime Daten zu gelangen. Was sind die Hürden dabei?

Martin Rosenbaum: Das größte Problem ist meistens der Zustand der gelieferten Daten. Es scheint so, als ob jeder Datenjournalist die Hälfte der Zeit dafür aufwendet, sie zu bereinigen, um sie überhaupt erst einmal in eine vergleichbare Form zu bringen. Manchmal entstehen auch Probleme, weil die Grundbasis unterschiedlich ist. Hinzu kommt, dass man die Daten manchmal schlicht erst einmal verstehen muss. Vor ein paar Jahren wurde ein riesiges Datenpaket von der britischen Regierung veröffentlicht, in dem die Staatsausgaben in zirka einer Million Zeilen aufgelistet waren. Und wir Journalisten standen dann da, ohne Hintergrundinformationen, um zu verstehen, worauf sich die Daten eigentlich beziehen. Es ist ein absoluter Fortschritt, dass diese Daten veröffentlicht werden, aber ohne Kontext fanden meine Kollegen und ich es unheimlich schwer, daraus irgendeinen Sinn zu ziehen.

Kommt man in Großbritannien denn durch das Gesetz tatsächlich an alle gewünschten Daten heran?

Inzwischen kann ich recht gut einschätzen, welche Informationen ich wahrscheinlich bekommen werde und welche nicht. Informationen darüber, wofür öffentliche Gelder aufgewendet werden, sind relativ leicht zu erhalten. Wohingegen es fast unmöglich ist, Aufzeichnungen von Kabinettssitzungen zu erhalten. Das führt dann natürlich leider dazu, dass man hauptsächlich nur noch Anträge einreicht für Informationen, von denen man annimmt, sie auch zu bekommen.

Welche Geschichten entstehen dann aus den erhaltenen Daten?

Vor ein paar Jahren haben wir einen Antrag eingereicht, um an Informationen zu gelangen, welche Automarke wie bei dem sogenannten MIT-Test abschneidet. Hier in Großbritannien müssen Autos, die drei Jahre oder älter sind, sich diesem jährlichen Test unterziehen. Ich wollte vom Verkehrsministerium die Testergebnisse. Daraus erfährt man, welche Automarken gut abschneiden und welche durchfallen. Zuerst hat sich das Ministerium geweigert, mir Auskunft darüber zu erteilen. Diese Informationen würden vom Geschäftsgeheimnis geschützt, da die Veröffentlichung dem Absatz von Autos schaden könnte. Ich habe dann beim Informations-Beauftragten Widerspruch eingelegt. Dieser besitzt das Recht, Regierungsentscheidungen bei FOI-Anfragen zu überstimmen. Er hat sich zu meinen Gunsten entschieden, und das Verkehrsministerium musste die Daten schließlich rausrücken. …

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