Zigaretten-Schmuggel
Recherchieren multinational

Wie koordiniert man 14 Reporter aus 10 Ländern für eine globale Recherche über Zigarettenschmuggel? Erkenntnisse aus einem Projekt des International Consortium of Investigative Journalists.

von David E. Kaplan

In einer zunehmend globalisierten Welt können Gauner mit Leichtigkeit Grenzen überschreiten, Geld überweisen und Identitäten wechseln, während Polizisten und Reporter allzu oft mehrere Schritte hinter ihnen zurück sind. Nur wenige journalistische Organisationen können die Ressourcen aufbringen, um es mit raffinierten internationalen Netzwerken aufzunehmen. Genau zu diesem Zweck wurde das International Consortium of Investigative Journalism (ICIJ) gegründet.

Das ICIJ ist seinerseits ein Netzwerk von hundert investigativen Journalisten aus fünfzig Ländern, dessen Mitglieder gemeinsam an Projekten arbeiten. Die Betonung liegt auf Netzwerk: Wir halten Kontakt über Mobiltelefon, E-Mail sowie gelegentliche Newsletter und Konferenzen – viel mehr nicht. Zwei Redakteure, Marina Walker Guevara und ich, leiten das Konsortium von Washington D.C. aus.

Hunderte nationaler Enthüllungen

Das ICIJ wurde 1997 gegründet. Es ist das geistige Kind von Charles Lewis, dem Gründer der Mutterorganisation Center for Public Integrity. (Lewis ist jetzt bei dem innovativen Investigative Reporting Workshop der American University tätig.) Das Center for Public Integrity hatte sich bereits durch hunderte von Enthüllungsgeschichten profiliert, die allerdings meist aufs Inland beschränkt waren. Lewis erkannte die Notwendigkeit, Watchdog-Journalismus im Stile des Centers auch im Ausland zu verbreiten. In einer Welt mit Internet und offenen Grenzen schien die Zeit reif für eine Nonprofit-Organisation, die hochkarätige Journalisten in Moskau und Manila, London und Lagos miteinander verlinkt.

Ich schloss mich 1999 dem ICIJ an und war vier Jahre lang für die Verbindung zwischen der Gruppe und der US-amerikanischen Vereinigung Investigative Reporters and Editors (IRE) zuständig. Im April 2008 wurde ich der dritte Direktor des ICIJ. Schon vorher hatte ich mit Bewunderung verfolgt, wie sich das Netzwerk mit der internationalen Rüstungsindustrie, der US-Auslandshilfe für Menschenrechtsverletzer, und – das ambitionierteste Projekt – der Tabakindustrie anlegte.

Vorgängerrecherche von 2000

Seit 2000 hatte das ICIJ mit einer Serie von Recherchen aufgedeckt, wie die großen Tabakkonzerne mit dem organisierten Verbrechen beim weltweiten Zigarettenschmuggel zusammenarbeiteten. Unter Leitung der damaligen ICIJ-Direktorin Maud Beelman (die jetzt als Projektredakteurin der Dallas Morning News weiter für die Sache kämpft) stellte das ICIJ ein Team mit Vertretern aus sechs Ländern zusammen, das sich durch tausende von internen Unternehmenspapieren hindurcharbeitete, die im Zuge von Prozessen gegen die Tabakunternehmen in den 90er Jahren an die Öffentlichkeit gekommen waren.

Hartnäckig verfolgte die Gruppe Spuren und rekonstruierte, welche Schlüsselrolle der Schmuggel im Kampf der Tabakkonzerne um höheren Absatz und größere Marktanteile spielte. Diese Enthüllungen halfen dabei, Prozesse und staatliche Untersuchungen in Gang zu bringen.

2008 hatte sich jedoch vieles verändert. Der vormals von den westlichen Tabakmultis dominierte Schmuggel ist immer noch so stark wie eh und je, funktioniert aber mit neuen Akteuren, neuen Routen und neuen Techniken; es spielen chinesische Fälscher, russische Fabriken und Tabakläden amerikanischer Indianer eine Rolle. Allein in Kanada wurden aufgrund der Verwicklung von kriminellen Banden und Indianerstämmen zwischen 2001 und 2008 sechzehn Mal so viel geschmuggelte Tabakwaren beschlagnahmt wie zuvor.

Das Geschäft ist so lukrativ, dass Tabak zur meistgeschmuggelten legalen Substanz geworden ist. Mit gravierenden Folgen: Das organisierte Verbrechen und die Korruption werden angeheizt, Regierungen ihrer Steuergelder beraubt und die Sucht nach einer tödlichen Substanz gefördert.

Anfang 2008 bekam das ICIJ Forschungsmittel der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, um sich erneut mit dem Thema zu beschäftigen. Im Mai begann unser Team die Arbeit an dem Projekt, das wir »Tobacco Underground« tauften. Wir stellten ein neues Team zusammen, in dem auch Mitarbeiter der vorangegangenen Recherche mit dabei waren. Schließlich hatten wir vierzehn Reporter aus zehn Ländern zusammen; beteiligt waren diesmal auch das Center for Investigative Reporting in Bosnien und Russlands kritische Wochenzeitung Novaya Gazeta.

Eine solche multinationale Recherche stellt in vielfacher Hinsicht eine Herausforderung dar. Der Gewinn aber …

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