Social Media
Die gegruschelte Recherche

Zunehmend entdecken Journalisten soziale Netzwerke wie StudiVZ als Informationsquellen. Fälle skrupellosen Datenmissbrauchs entwerten dabei die Vorteile der Social-Media-Investigation.

von Thomas Mrazek

Rund 58 Prozent der Internet-Nutzer sind in sozialen Netzwerken aktiv, ermittelte Anfang des Jahres eine von Web.de in Auftrag gegebene Repräsentativumfrage zum »Kommunikationsverhalten deutscher Internet-Nutzer«. Bei aktuell etwa 43,5 Millionen bundesdeutschen Erwachsenen (ARD/ZDF-Onlinestudie 2009) könnten sich derzeit also bis zu 26 Millionen Deutsche in Angeboten wie StudiVZ, Facebook, Wer-kennt-wen, dem Business-Netzwek Xing sowie in zirka 150 weiteren Netzwerken tummeln.

Ob sich tatsächlich so viele Menschen an dieser speziellen Variante der Internet-Kommunikation beteiligen, darf bezweifelt werden. Jan Schmidt, wissenschaftlicher Referent für digitale und interaktive Medien am Hamburger Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, hält es jedoch für »wahrscheinlich«, dass zumindest eine zweistellige Millionenzahl aktiv ist. »Die sozialen Netzwerke sind fester Bestandteil des Internet-Alltags geworden«, sagt Schmidt gegenüber Message.

Ansprechpartner über Xing ermittelt

Auch im Recherchealltag mancher Journalisten spielen die soziale Netzwerke eine immer größere Rolle. Andreas Streim, Wirtschaftsredakteur bei der Märkischen Allgemeinen Zeitung in Potsdam, ist einer von ihnen. Streim recherchierte jüngst über die Firma eines Vorzeige-Jungunternehmers, die plötzlich insolvent war. Es bestand der Verdacht auf Unregelmäßigkeiten. Streim: »Über Xing habe ich Mitarbeiter der Firma aufgetan, mit denen wir dann gesprochen haben, und die uns bei der Recherche durchaus hilfreich waren.«

Auch der Mikroblogdienst Twitter ist für Streim inzwischen ein ernstzunehmendes Recherche-Instrument. »Dort werden manchmal bereits Themen durch den Twitter-Raum gespült, bevor sie durch die Agenturen laufen.« Man erhalte häufig zu solchen Themen hilfreiche Links, die sonst mühsam zusammengesucht werden müssten, sagt Streim.

Auch Marcus Bösch, Redakteur und Autor bei der Deutschen Welle, schwört auf Twitter: »Mein Interviewpartner zum Thema Blogs in Lateinamerika war abgesprungen. Ein Hilferuf bei Twitter. 20 Minuten später gab es Antworten mit Empfehlungen, die mich schließlich ans Ziel führten.«
Weniger zu Recherche-Zwecken, als vielmehr um zu erfahren, was »eine internetaffine Kommunikationselite über bestimmte Themen denkt«, nutzt Leute-Redakteur Timo Lokoschat von der Münchener Abendzeitung Twitter. »Ein wichtiger Input, um ein Thema einzuschätzen.« Spannend sei, dass sich bei Twitter quasi im Sekundentakt beobachten ließe, wie sich öffentliche Meinung bildet.

»Witwenschütteln« im Web

Bei all diesen Erfolgsmeldungen – das Rechercheverhalten mancher Journalisten im Web 2.0 sorgte schon des Öfteren für negative Schlagzeilen innerhalb der eigenen Branche. Vom »Witwenschütteln 2.0« war die Rede. In rund einem Dutzend Fälle wurden in den vergangenen Jahren handwerkliche Missgriffe publik.

In noch junger, zweifelhafter Erinnerung: der Amoklauf in Winnenden. Einige Medien …

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