St. Petersburg Times
Die Gazette der Kaderschmiede


Die St. Petersburg Times gilt als beste Lokalzeitung der USA. Sie gehört einer Journalistenschule. Ein Überlebensgarant – sagen viele. Dennoch ist die Zukunft der Zeitung heute mehr als ungewiss.

von Thomas Schuler

Es muss ein unangenehmes Gefühl für Andrew Barnes gewesen sein, damals, vor zwanzig Jahren. Vermutlich hatte er den Angriff nicht für möglich gehalten. Warum sollte er auch? Vermutlich fühlte er sich sicher am Golf von Mexiko in seiner Position als Chefredakteur der St. Petersburg Times und als Chef des Poynter Institutes, einer Journalistenschule, der die Zeitung gehört.

Im Jahr 1988 hatte Barnes diese Doppelrolle übernommen, in beiden Positionen war er unangefochten. Er war damals 50 Jahre alt und er allein hatte alles zu bestimmen – sogar die Höhe seines eigenen Gehalts. Nur über eines durfte er sich nicht hinwegsetzen: Nicht Gewinn, sondern der journalistische Ertrag sollte seine Arbeit leiten.

So hatte es Gründer Nelson Poynter in seinem Testament verfügt. Poynter hatte die Zeitung 1947 von seinem Vater Paul für 50.000 Dollar gekauft, von ihm das Amt des Chefredakteurs und des Verlegers übernommen und sich für den Erhalt der Zeitung das einmalige Eigentümermodell ausgedacht. Zeitungen waren für Poynter ein »sacred trust« – heilig und nur den Lesern und der Wahrheit verpflichtet.

Milliardenschwer und kaufwillig

Wer über Modellcharakter, Krisensicherheit und Zukunft der Eigentümerverhältnisse spricht, der sehe sich an, wie Chefredakteur Barnes und seine Kollegen die bislang größte Bedrohung der Unabhängigkeit der Times abwehrten.

Jener Angriff vor rund 20 Jahren sollte Barnes zwei Jahre lang beschäftigen. Es ging um nichts weniger als das Lebenswerk von Nelson Poynter. Und um viel Geld. Am anderen Ende der Leitung damals: Unternehmer Robert M. Bass, 41, Milliardär aus Texas.

Bass teilte Barnes mit, er habe die Verlagsanteile der Töchter der verstorbenen Schwester von Nelson Poynter gekauft, immerhin 40 Prozent der stimmberechtigten Aktien. Die Aktien sind zweigeteilt, frei gehandelt werden nur Aktien mit eingeschränktem Stimmrecht. Bass forderte, stärker am Gewinn beteiligt zu werden. Außerdem wollte er die Zeitung ganz kaufen.

Im Januar 1990 bot die Bass Group für die restlichen 60 Prozent der stimmberechtigten Aktien 270 Millionen Dollar, wovon die Journalistenschule 234 Millionen und Nelson Poynters Witwe Marion K. Poynter 36 Millionen erhalten sollten. Der Verlag erwirtschaftete damals einen Jahresumsatz von 180 Millionen und einen Gewinn von 27 Millionen Dollar.

Das Vermögen mehren

Milliardär Bass versicherte, er wolle die Zusammenarbeit zwischen Zeitung und Schule aufrechterhalten. Er werde die redaktionelle Unabhängigkeit bewahren. Bei einem Besuch in St. Petersburg fragte ihn Barnes, warum er die Zeitung eigentlich kaufen wolle. Bass antwortete, er wolle sie aus dem gleichen Grund erwerben, aus dem er alle seine Geschäfte betreibe: um sein Vermögen zu mehren. Die Antwort war ehrlich, aber Barnes war davon sicher nicht begeistert.

Der Unternehmer und Milliardär Bass dachte wohl, die Bestandsgarantie für die Kooperation mit der Journalistenschule würde seine Kaufchancen erhöhen. Doch Barnes und die Treuhänder des Poynter Institutes lehnten sein Angebot ab. Die Zeitung sei unverkäuflich, sagte Barnes. Man habe das Angebot genau geprüft und glaube, es komme der Schule mehr zugute, wenn sie eine Zeitung besitze als einen Stapel von Finanzpapieren.

Die Bass Group zog gegen diese Entscheidung vor Gericht und argumentierte …

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