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»Ein regelrechter sportjournalistischer Wahn«

Ralf Meutgens ist ehemaliger Radsportler, Trainer und Ausbilder. Seit den 90er Jahren arbeitet er als freier Journalist auch über Doping, unter anderem für Monitor, die FAZ und den Deutschlandfunk. 2007 erschien sein Buch »Doping im Radsport« (Verlag Delius Klasing).

von Uwe Krüger

Die Spiegel-Redakteure Udo Ludwig und Matthias Geyer werfen Ihnen und der FAZ im Message-Interview (S. 55) vor, Sie hätten vor der Veröffentlichung Ihres Spiegel-kritischen Beitrags »Die große Informantenverbrennung« vom 20.2.2000 die Betroffenen nicht mit den Vorwürfen konfrontiert. Stimmt das?

Meutgens: Da hätte ich ebenso gut die Radprofis fragen können, ob sie dopen. Ich kannte die nötigen Fakten. Wenn denn alles Unsinn war, was ich in der FAZ geschrieben habe, dann hätte ich erwartet, dass man dem presserechtlich entgegentritt. Das ist nicht passiert. Sie haben in den 90er Jahren für den Spiegel als Kontakter und Informationsbeschaffer gearbeitet, unter anderem für Udo Ludwig.

Wann und warum trennten sich Ihre Wege?

Meutgens: Nach dem Festina-Skandal bei der Tour de France 1998 herrschte ein regelrechter sportjournalistischer Wahn, als Erster das Team Telekom des Dopings zu überführen. Das betraf nicht nur den Spiegel. Dort lag die Latte aber vielleicht besonders hoch, nach Udo Ludwigs Beitrag über den ehemaligen Radprofi Jörg Paffrath von 1997, den ich ihm ermöglicht hatte.

Als ich Kenntnis davon erlangte, dass der Spiegel entgegen meinen gegenüber Udo Ludwig geäußerten Bedenken die Geschichte über das Team Telekom doch veröffentlichen würde, habe ich die Zusammenarbeit beendet. Ich war mir sicher, dass der Spiegel über kein Material verfügte, das ich nicht auch kannte.

Aber Sie hatten nichts Grundsätzliches dagegen, dass das Team Telekom ins Visier von Dopingrecherchen kommt?

Meutgens: Wenn man Doping-Fakten recherchiert hat und sie justiziabel sind, müssen sie veröffentlicht werden. Aber eben nur dann. Das ist mein Verständnis von Journalismus. Ich habe im April 2005 in der FAZ unter der Überschrift »Heile Welt in Magenta« einen großen Artikel über Doping und das Team Telekom geschrieben. Dafür habe ich viele Informationen, an deren Wahrheitsgehalt ich nie Zweifel hatte, die ich aber nicht hätte beweisen können, nicht verwendet.

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