Recherche Spezial
Die Story im Datenhaufen

Verräterische Klimaanlagen, zweideutige Stellenanzeigen, millionenschwere Bauaufträge: Wer richtig sucht, findet auch in Hunderttausenden von Daten eine Geschichte.

von Jan Lukas Strozyk

Es war eine einzelne Zeile im schier endlosen Daten-strom. Ein Auftrag, den wir eigentlich gar nicht gesucht hatten. Auf einmal sahen wir: »Procurement Identifier: FA945107C0196; Contracting Office Agency Name: Dept. of the Air Force; Vendor Name: University Stuttgart, Product/Service Code AC53; Description: Weapons (Advanced)«. Dazu eine paar weitere komplizierte Zeichenketten und am Ende ein Betrag: 38.000 US-Dollar.

Übersetzt steht dort, dass die Universität Stuttgart Waffenforschung für die Luftwaffe der USA betrieben hat. Für uns war diese Zeile der Anlass, bei zahlreichen deutschen Hochschulen anzuklopfen, weitere Datenberge zu durchforsten und letztlich eine Debatte um militärische Gelder im deutschen Forschungsbetrieb zu entfachen.

Unser Projekt »Geheimer Krieg« lebte stets von klassischer Recherche: rausgehen, mit den Menschen vor Ort sprechen, Kontakte pflegen, hier und da etwas gesteckt bekommen. Ohne diese Art der journalistischen Arbeit hätte es den Film nicht gegeben, und auch die Beiträge in der Süddeutschen Zeitung und auf der Website www.geheimerkrieg.de wären nicht erschienen.

Gleichzeitig haben wir aber versucht, unsere Thesen systematisch mit Daten zu belegen und aus den Daten neue Ansätze zu gewinnen – wie im genannten Beispiel. Dabei half uns eine amerikanische Attitüde: In den USA ist es selbstverständlich, dass die Regierung sich gegenüber dem Bürger (insbesondere dem Steuerzahler) rechtfertigt. Und das heißt vor allen Dingen: Ausgaben erklärt. Im Jahr 1966 haben die USA den sogenannten »Freedom of Information Act« verabschiedet, schon 20 Jahre zuvor den »Administrative Procedure Act« – zwei von einer ganzen Reihe von Gesetzen, die US-Bürgern und zum Teil auch Ausländern direkten Zugriff auf Informationen und Daten im Besitz des Staates geben und somit eine transparentere Demokratie ermöglichen sollen.

Ein Weg, sich über die Staatsausgaben zu informieren, ist die Datenbank des »Federal Procurement Data System«, kurz FPDS. Hinter dem kryptischen Namen verbirgt sich eine Sammelstelle für Aufträge aus öffentlicher Hand – fast jeder Dollar, den die US-Regierung bezahlt, findet sich hier wieder. Abgesehen von einigen Ausnahmen, wie Kleinaufträgen unter 3.000 US-Dollar oder als geheim eingestufte Verträge, findet sich hier ein Eintrag für alles, was die US-Regierung sich und ihrem Land leistet. Wir interessierten uns naturgemäß vor allem für Deutschland. Und schnell wurde klar: […]

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