Der ubs-Crash
Der Crash einer Großbank

Die Schweizer Großbank UBS erlitt mit Wetten aufmarode US-Papiere und illegalen Steuerpraktiken Schiffbruch. UnserAutor enthüllte die Machenschaften der Manager. Hier seinRecherchebericht.

von Lukas Hässig

Die Panik breitete sich im September 2007 rasch aus. UndurchsichtigeWertpapiere, die auf Hypotheken für US-Immobilien basierten,fanden keine Käufer mehr. Es ging um Billionen von Dollar, dennder US-Immobilienmarkt zählte zu den größtenKreditmärkten der Welt. Welcher Global-Player saß auf wievielen illiquiden Papieren, lautete die Frage in jenen Wochen. Undspeziell in der Schweiz: Wie gefährdet waren die beidenFinanzmultis UBS und Credit Suisse?

Offiziell war nichts Substanzielles zu erfahren. Die Banken mauerten,was nichts Außergewöhnliches war, und die Aufsichtsstelle inBern gab Plattitüden von sich. Man beobachte die Lage, stehe inengem Kontakt mit den Banken, führe ein Monitoring. UnterJour-na-listen galt meist die Credit Suisse als heißesteAnwärterin auf Großverluste. Schließlich hatte dieNummer zwei des Finanzplatzes bereits um die Jahrtausendwende einentiefen Fall erlebt. Nach Milliardenabschreibungen brauchte sie Jahre,um zur Konkurrenz aufzuschließen.

Im Nachhinein waren alle schlauer

Mich beschäftigte eher die UBS, da viele meiner besten Quellen ausdem UBS-Umfeld stammen. Doch in jenen Herbsttagen vor zweieinhalbJahren wussten auch sie nicht weiter. Immerhin aber nannte mir einermeiner regelmäßigen Gesprächspartner, ein Schulfreundaus alten Tagen, den Namen eines langjährigen UBS-Risikomanagers,der seit einiger Zeit nicht mehr bei der Großbank tätig war.Ein wertvoller Hinweis.

Doch der erste Anruf bei dem Ex-Risikomanager verlief unbefriedigend.Ich fragte Riskmanager R., wie er hier genannt werden soll, nachmöglichen Großverlusten bei seinem Ex-Arbeitgeber UBS. Erreagierte freundlich, interessiert. Konkretes rückte er aber nichtheraus. »Es dauert nicht mehr lange, dann kommt alles zumVorschein«, sagte er nur vieldeutig. Ich solle mich in ein paarWochen wieder melden.

Am 1. Oktober platzte die Bombe. Ausgerechnet die schweizerische UBS,die vermeintlich seriöseste und konservativste aller weltweittätigen Großbanken, gab Nettoverluste von 4 MilliardenFranken im Geschäft mit US-Hypothekenpapieren bekannt.Im Nachhinein waren alle schlauer. Hatte die Bank nicht schon imFrühling ihren internen Hedgefonds dicht gemacht, nachdem dieserein paar hundert Millionen Dollar in den Sand gesetzt hatte? Derüberraschende Abgang des langjährigen Konzernleiters zuBeginn des Sommers passte nun ebenfalls ins Bild.

Die UBS-Führung beruhigte. In einem Interview mit der NZZ(5.10.2007) sagte ihr Präsident Marcel Ospel die inzwischenberühmten Sätze: »Einen Eisberg haben wir nichtgesehen, weil es ja auch keinen gab. Gesehen haben wir Eisblöcke,die das Potenzial hatten, das Schiff zu beschädigen.« EinProblem, zweifellos, aber eines, das man aus eigener Kraft lösenkönne – so die Botschaft des obersten UBS-Managers.

Insider helfen weiter

Die UBS-Behauptungen ließen sich damals nicht durchöffentlich zugängliche Unterlagen verifizieren. In ihremCommuniqué sprach die Bank lediglich von Modellrechungen undeinem Bestand an Subprime-Hypothekenpapieren von 19 Milliarden Dollar.Die Zukunft des US-Hypothekenmarkts würde sie »mitgroßer Vorsicht« einschätzen, das derzeitige»Bewertungsniveau« befand sie »fürrichtig «.

Nur ein Insider, der …

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