Recherche
Die toten Fischer von Murmansk

Protokoll einer gefährlichen Recherche: Eine Spur zu illegal gefangenem Fisch aus der Barentsee führt zwei schwedische Journalisten an den Polarkreis. Dort treffen sie auf Angst und eisiges Schweigen.

von Fredrik Laurin und Joachim Dyfvermark

Jupiter, Jupiter, Jupiter … hier ist das Schiff KV Harstad der norwegischen Küstenwache auf Frequenz 16. Wir wollen zu einer Inspektion an Bord kommen. Lassen Sie eine Lotsenleiter auf der Steuerbordseite herunter und reduzieren Sie die Geschwindigkeit auf 3 Knoten.«

Der eisige Nordwind und die Härte des Winters lassen die Wellen meterhoch schlagen. Wir befinden uns an Bord der KV Harstad inmitten der Barentsee, einem ultramodernen Schiff der norwegischen Küstenwache, deren Jagd nach illegalen Fischfängern wir dokumentieren wollen.

Vor zwei Tagen haben wir die Basis des Schiffes im nordnorwegischen Sortland verlassen und sind jetzt im westlichen Teil des riesigen Einsatzgebiets der Küstenwache. Der Kurs des Schiffes wird von einem Einsatzzentrum an Land koordiniert, das alle relevanten Daten über mutmaßlich illegale Fischfänger sammelt. Die heutige Fahrt dient dazu, die russischen Schiffe zu inspizieren, die überwiegend Kabeljau fangen, umladen und von den Fischgebieten im Norden zu den Häfen der westeuropäischen Küsten transportieren.

Der Kommandant der KV Harstad richtet seinen Suchscheinwerfer auf die emporragende Silhouette – ein unter russischer Flagge fahrendes Kühlschiff namens Jupiter, das unter dem Verdacht der illegalen Fischerei steht. Von der Harstad klettern wir in ein Schlauchboot, das die norwegischen Inspektoren und unser Team an Bord des Schiffes bringen soll, um die Ladung zu untersuchen und die Fangbücher zu überprüfen.

Diplomatische Krise ausgelöst

Die Atmosphäre ist angespannt. Nur wenige Wochen zuvor waren zwei norwegische Fischereiinspektoren von der Crew des russischen Trawlers »Elektron« gekidnappt worden. Die anschließende Verfolgungsjagd der norwegischen Küstenwache konnte man weltweit auf den Fernsehschirmen verfolgen. Es folgte eine diplomatische Krise, die schließlich mit der Freilassung der beiden Inspektoren endete, nachdem die »Elektron« einen russischen Hafen erreicht hatte.

»Lassen Sie die Leiter an der Steuerbordseite herunter!« Die Anordnung des norwegischen Kommandanten ist über Funk auf dem Spant zu hören, während wir uns der Jupiter nähern. In den Tiefen der meterhohen Wellen können wir den Rumpf des russischen Kühlschiffes kaum erkennen.
Eine alte, abgenutzte Strickleiter wird über die Reling geworfen. Um überhaupt eine Chance zu haben, das Schiff zu entern, müssen wir genau in der Wölbung des Spants stehen, auf die nächste Woge warten und dann auf die Strickleiter springen. Unter den Rettungsanzügen spüren wir unsere Herzen pochen. Ein falscher Sprung bedeutet große Gefahr – das Getriebe der Schiffsschraube, Dunkelheit und beißende Kälte.

Scheinfirma gegründet

Unser Interesse an illegalem Fischfang und insbesondere an Kabeljau begann bereits ein paar Jahre zuvor. Nach Hinweisen von Meeresforschern aus Schweden untersuchten wir den Fang, der über die für das Baltische Meer festgelegte Fischfangquote hinausgeht. Niemand wollte 2002 über dieses Problem reden. Weder die professionellen Fischer noch die schwedische Küstenwache und auch nicht der Einzelhandel, der den Kabeljau verkaufte. Unsere einzige Chance, zu dieser verschlossenen Industrie Zugang zu bekommen, war, eine Scheinfirma zu gründen und mit baltischem Kabeljau zu handeln. Auf diesem Weg gelang es uns, das drastische Ausmaß der Schwarzfischerei aufzudecken.

Geständnis vor verdeckter Kamera

Die meisten der großen Lebensmittelketten in Schweden waren in irgendeiner Weise darin verstrickt. Der Geschäftsführer eines der größten Filetierungswerke, das als Subunternehmen Kabeljauprodukte für die zweitgrößte Lebensmittelkette Schwedens, die »Swedish Coop« herstellte, gab vor verdeckter Kamera zu, dass

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