Editorial

Liebe Leserinnen, Liebe Leser
Michael Haller

glaubt man den Historikern, dann haben seinerzeit die Auswanderer vor allem aus drei Gründen ihre Heimat verlassen, um ihr Glück in der neuen Welt zu finden: Glaubensfreiheit, bittre Not oder wirtschaftliches Abenteurertum. Aus diesem Amalgam, immerhin, entstanden die USA (und verschwanden die Indianer).

Geht man in der bunten neuen Welt des Web 2.0 auf Wanderschaft, findet man jene alt vertrauten Motive wieder: Glaubensbrüder zuerst, dann die kommerziell eingestellten Wertschöpfer, schließlich ein paar arme Schlucker, die mit der realen Welt nicht klar kommen. Sie stricken gemeinsam an der neuen 2.0-Glorie der kommunikationsoffenen, sich selbst regulierenden Community der Freien und Gleichen.

Ein Mythos. Denn wer etwas genauer hinsieht, erkennt bald, dass in den zahllosen Blogs und Tubes die aus der realen ersten Welt altbekannten Zwecke aufscheinen: Aus Kommunikation einen Markt machen, diesen durchkommerzialisieren und als Wertschöpfungskette reorganisieren. Für die Community-Freaks bleiben – so viel Minderheitenschutz soll ja sein – genügend mollig-warme Nischen frei.

Ob dieser Trend auch von den Medienhäusern genutzt und journalistisch umgesetzt wird oder ob die Online-»citizens« ihre Gegenwelten am Leben erhalten können, wollen wir mit unserem Themenschwerpunkt beleuchten. So viel sieht man bereits: Die Normen der kommerziell organisierten Realwelt sind von den Dirigenten des »Second Life« als Spielregeln übernommen worden.

In der realen Welt des Print ist Deutschland neben Zwergstaaten wie Monaco, Andorra und Liechtenstein die letzte Insel, auf der die alte Zeitungswelt noch in Ordnung scheint, weil die Tageszeitungsleser für ihre Lektüre bezahlen. Jedenfalls dem Anschein nach, denn auch in Deutschland werden Formen der Gratiszeitung schleichend eingeführt. Wie rundum in Europa der anhaltende Boom der Gratistitel den gesamten Zeitungsmarkt durcheinander wirbelt und auch die journalistische Blattmache vor neue Aufgaben stellt, zeigt unser zweiter Themenschwerpunkt. Es sind Berichte über die Befunde eines Forschungsprojekts, die hier erstmals ausgebreitet werden.

Dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, unsere Berichte, Analysen und Kolumnen mit Gewinn lesen, dies erhofft sich

Michael Haller

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