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»Ein Arzt ist wie ein Gott«

Die WDR-Reportage »Pharma-Sklaven« der Reihe »die story« deckt unethische klinische Studien westlicher Pharmakonzerne in Indien auf. Patienten beklagen, dass sie als Versuchskaninchen missbraucht wurden.

von Benjamin Best und Rebecca Gudisch

In Neu-Delhi wird es Mitte Februar kalt, wenn die Sonne untergeht. Wir drei, um genauer zu sein, die beiden Journalisten Benjamin Best und Rebecca Gudisch sowie der Kameramann Hans Aanki, sitzen auf der Terrasse einer befreundeten indischen Journalistin. Ein Lagerfeuer und Tee mit einem Schuss Whisky halten uns warm. Wir wissen nicht so recht, was uns ab dem nächsten Tag erwarten wird.

Geplant ist eine erste mehrwöchige Recherchereise durch Indien – wir sind auf der Suche nach Menschen, die ohne ihr Wissen Teil von Medikamententests großer, westlicher Pharmaunternehmen geworden sind. Die Zahl der Menschen, die an klinischen Studien in Indien teilnehmen, ist in den letzten fünf Jahren stark angestiegen – auf zuletzt über 4.000 Patienten im Jahr. Tests in Indien sind dabei billiger als in der westlichen Welt, etwa in Deutschland oder den USA. Außerdem gibt es bei über 1,3 Milliarden Einwohnern kaum ein Land, das mehr potenzielle Versuchsteilnehmer bietet als Indien.

Fast alle großen Pharmafirmen testen mittlerweile Medikamente außerhalb von Europa und den USA, zum Beispiel hier in Indien. Das deutsche Pharmaunternehmen Bayer war dabei im letzten Jahr in die Schlagzeilen geraten, weil die Firma in fünf Fällen Entschädigungen gezahlt hatte, als Menschen während Versuchen von Bayer in Indien gestorben waren: umgerechnet rund 4.000 Euro pro verstorbenem Versuchsteilnehmer.

In Deutschland hatten wir bereits Kontakt mit verschiedenen Nichtregierungsorganisationen, die uns zwar alle bestätigten, dass in verschiedenen Entwicklungsländern die Bevölkerung für klinische Studien ausgenutzt werde. Aus tausenden Kilometern Entfernung an Namen von Patienten zu kommen, ist selbstverständlich unmöglich.

Zumal wir nicht nur unserer Vermutung Gesichter und Stimmen geben, sondern bestenfalls auch noch die entsprechenden Testpräparate aufspüren wollten.

Patientenrechte werden nicht geschützt

Die ersten Tage in Delhi verliefen ergebnislos, bis wir den ehemaligen Arzt und Medizinjournalisten Chandra Gulhati treffen. Er schreibt seit vielen Jahren über das unethische Zusammenspiel zwischen westlichen Pharmafirmen, Contract Research Organizations (CRO; dies sind Forschungsagenturen, die im Auftrag der Pharmaunternehmen die Studien ausführen), indischen unabhängigen Ethikkommissionen und lokalen Ärzten. »Alle machen Geld: Die Pharmafirma, der Arzt, das Krankenhaus. Alle verdienen auf Kosten des Patienten«, beschreibt Gulhati die Situation.

Auf die Frage, ob die ausländischen Pharmafirmen diese Probleme denn kennen, antwortet er: »Natürlich, … …

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