Editorial

Liebe Leserinnen, Liebe Leser
Michael Haller

ob die auf dem Titelbild versammelten Damen und Herrn sich zur journalistischen Elite zählen, wissen wir nicht. Wir sind uns allerdings sicher, dass ihnen diese Rolle zugeschrieben wird – von anderen Journalisten, von Entscheidern in Wirtschaft und Politik, vom Publikum. Bemerkenswert daran ist, dass diese Etikette lange Zeit im Journalismus als anrüchig galt: Das Wort Elite passte nicht zum Leitbild der Demokratie, man dachte dabei an die überkommene Ständegesellschaft mit ihrer abgehobenen, auf Privilegien bedachten Führungsschicht, die von sich selbst behauptete, der Club der Auserwählten, der Besten zu sein. Bis viele dieser Besten ihren Arm zum Hitlergruß erhoben.

Vor ein paar Jahren öffnete die Verhaltensforschung den Schleichweg »Alphatier«, der zu den Alphajournalisten führt: Personen, die sich selbst für herausragend halten und überzeugt sind, andere anführen zu müssen – auch ihr Publikum bei dessen Meinungsbildung. Und weil Journalismus mit Eitelkeit verschwistert ist, huscht ein selbstgefälliges Lächeln übers Gesicht, wenn man sich als »Alpha« bewundert fühlt.

Das Missverständnis mag darin liegen, dass Alphas befähigte, bestenfalls originelle Rollenträger sind – ihre Macht, ihr Einfluss ist funktional. Ohne ihr Medium sind sie nichts weiter als originell. So gesehen trifft das vielschillernde Wort Elite besser, weil es eine Gruppe meint, die intern vernetzt ist und über Entscheidungsmacht verfügt. Und hier kommt das Rollenproblem: Wenn es zutrifft, dass guter Journalismus aus unabhängiger Position die gesellschaftlichen Eliten mit kritischem Blick beobachten soll – was bedeutet es, wenn er selbst zur Elite zählt?

Diese Frage zielt auf das Rollenselbstverständnis. Und war der Ausgangspunkt unseres Titelthemas. Bernd Gäbler, aufmerksamer Beobachter der Journalistenszene, beschreibt die für elitäre Strukturen typische Ballung auf wenige, Meinungsführer genannte Medien. Julia Friedrichs und Silke Burmester beschreiben Orte des Elitären, wo Macht und Zugehörigkeit sich paaren. Dass Alpha-Journalisten zum Elitebegriff auf Distanz gehen, diskutiert Message mit dem Fernsehjournalisten Ulrich Deppendorf. Der Journalismusforscher Uwe Krüger hat die Vernetzung zwischen den Machteliten untersucht – und zeigt die Risiken und Nebenwirkungen, die der Elitenklüngel mit sich bringt.

Die Zukunft des Journalismus: Der zweite Schwerpunkt dieser Ausgabe geht von der schmerzhaften Erkenntnis aus, dass die gängige Journalistenausbildung die mit dem Medienwandel verbundenen Anforderungen nicht zu erfüllen vermag. Neue Konzepte sind dringlich – und genau hier setzen die Beiträge der Journalistenausbilder an. Im Verbund mit Best-Practice-Modellen beschreiben sie den neuen Weg in den Beruf. Sie durchleuchten insbesondere die neue Zauberformel der Medienmacher: Crossmedia und Storytelling – und lassen viel heiße Luft ab.

Dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch die anderen Beiträge etwa über heikle, im Ergebnis exzellente Recherchearbeiten mit Gewinn lesen (und auch die Feedbackseite beachten), dies wünscht sich im Namen der Herausgeber Ihr

Michael Haller

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