Journalistenpreise
Der Preis ist heiß

Darf ein Journalist einen Preis annehmen, den die Wirtschaft sponsert? Wie verhindert man, als PR-Maskottchen zu enden? Sensible Fragen, auf die drei Journalisten Antworten suchen.

von Christian Sauer

Martina Keller ist freie Wissenschaftsjournalistin in Hamburg. Ihre Arbeiten wurden mit vierzehn Preisen ausgezeichnet. Für den 2011 erschienenen Sammelband »Interessenkonflikte in der Medizin« (Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg) hat sie u.a. Preise im Medizinjournalismus analysiert.

1. Worauf sollte man als Journalist bei Aus­schreibungen von Journalistenpreisen achten, um nicht von PR-Profis instrumentalisiert zu werden?

Man sollte darauf achten, wer einen Preis ausschreibt. Im Medizinjournalismus sind häufig Interessengruppen die Sponsoren, etwa Pharmafirmen. Besonders kritisch ist ein Preis, der gezielt die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Erkrankung – und ihre Behandlungsmöglichkeit – lenken soll. Akzeptabel ist für mich ein Preis, dessen Jury mit angesehenen Journalisten besetzt ist und dessen Thema eher weit gefasst ist.

Allerdings darf man sich nichts vormachen: Selbst wenn diese Kriterien erfüllt sind, lässt man sich auf gewisse Weise instrumentalisieren. Ein pharmagesponserter Preis verschafft der Firma öffentliche Aufmerksamkeit, womöglich einen Imagegewinn, wenn kritische Artikel ausgezeichnet werden. Er stellt Bindungen zu Journalisten her, die vielleicht beim nächsten Artikel unterschwellig wirksam sind. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Preisträger, sondern auch für die, die sich zur festlichen Preisverleihung mit Essen und Hotelübernachtung einladen lassen.

2. An welchem Beispiel lässt sich zeigen, wie die Grenze zur PR überschritten wird?

Ein Beispiel wären die Lung Cancer Journalism Awards. Die Roche Pharma AG unterstützte die 2006 erstmals ausgeschriebenen Preise mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 21.000 Euro, sie wurden für Beiträge in Fach- und Publi­kums­presse, Radio oder Fern­sehen ver­geben, die sich mit dem Thema Lungenkrebs befassten. Wohl nicht zufällig war im Jahr 2005 das Roche-Medikament Erlotinib gegen Lungenkrebs europaweit zugelassen worden.

Ein anderes Beispiel ist der Advances in Re­nal Cancer Jour­nalists‘ Award Europe. Die Bayer Health Care AG hat ihn gemeinsam mit der Kidney Cancer Association ins Leben gerufen – Bayer hatte 2006 das Nierenkrebsmedikament Sorafenib auf den Markt gebracht.

Angeblich werden Artikel ausgezeichnet, die sich »kritisch und objektiv« mit der Problematik des Nierenkrebses auseinandersetzen. Der Siegerbeitrag 2009 fällt allerdings eher durch unkritisches Lob für die neuartigen Medikamente gegen Nierenkrebs auf, zu denen das Bayer-Mittel zählt. Zum Beispiel schreibt die Autorin, Krebsmediziner würden von einer Revolution in der Nierenkrebs-Behandlung sprechen. Tatsächlich wurde die Therapie keineswegs revolutioniert. Ob Patienten mit fortgeschrittenem Nierenkrebs dank der neuen Medikamente länger oder wenigstens besser leben, ist weitgehend ungewiss.

3. Angenommen, der Journalistenpreis steht unter PR-Verdacht, aber das Preisgeld lockt: Wie sollte man sich als Journalist entscheiden?

Bei krass PR-verdächtigen Preisen, wie den oben genannten, beteilige ich mich nicht. Bei pharma- oder firmengesponserten Preisen, die für ein allgemeineres Thema ausgeschrieben sind und deren Jury womöglich mit angesehenen Journalisten besetzt ist, habe ich sehr wohl mitgemacht und auch schon gewonnen. Konsequenter wäre, sich auch für solche Preise nicht zu bewerben. Ich habe das für mich immer damit gerechtfertigt, dass meine Artikel sorgfältig recherchiert und kritisch waren, und dass ich nicht auf einen Preis hingeschrieben habe, was es auch geben soll. Allerdings kann das ja jeder von sich behaupten. Und die Firma wird schon wissen, was sie von ihrem Preis hat – siehe oben.

Sebastian Heiser ist Re­cher­cheredakteur im Wochen­endmagazin der taz. Dort hat er im Herbst 2011 gemeinsam mit Kollegen eine selbstkritische Debatte über die Ins­tru­mentalisierung von Jour­nalisten angestoßen, nachdem die taz interne Dokumente der Atom-Lobby veröffentlicht hatte.

1. Worauf sollte man als Journalist bei Aus­schrei­bungen von Jour­na­lis­ten­preisen achten, um nicht von PR-Profis instrumentalisiert zu werden?

Erstens muss man darauf achten, dass …

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