Recherche
Ein einziger Saustall

In seinem »Schwarzbuch Landwirtschaft« berichtetunser Autor über die dunklen Seiten österreichischerAgrarpolitik. Er wälzte Datenbanken, mühte sich mitBehörden und recherchierte auf der Alm.

von Hans Weiss

Es sollte ein Buch über Raiffeisen werden. Diesergrößte österreichische Konzern besitzt nicht nur in derLandwirtschaft eine dominierende Stellung, sondern auch imBanken­bereich, im Tourismus, bei den Medien (Raiffeisen istHaupt­eigen­tümer der Tageszeitung Kurier sowie derWochen­ma­ga­zi­ne Pro­fil, Format, News, Trend,TV-Media und Woman) und bei Industrie- und Gewerbebetrieben. Das ergibteine geradezu erdrückende wirtschaftliche Macht.

Wer sich mit Raiffeisen anlegt, muss damit rechnen,eingeschüchtert zu werden. Als das österreichische Parlamentim Jahr 2006 einen Untersuchungsausschuss über die Bankeneinrichtete, in dem auch die Ostgeschäfte von Raiffeisen zurSprache kommen sollten, drohte der oberste Raiffeisen-Boss: »Wirüberlegen, ob es Klagen wegen Kreditschädigung gegen dieParlamentarier geben wird.«

Kein österreichischer Verlag

Unter diesen Umständen war klar, dass wohl keinösterreichischer Verlag es wagen würde, ein kritisches Buchüber Raiffeisen zu publizieren. Meine Wahl fiel deshalb auf die inMünchen ansässige Hanser-Verlagsgruppe, die den in Wienansässigen Deuticke-Verlag besitzt. Und da ich selbst zwar in Wienlebe, aber mein Einkommen aus Deutschland beziehe, weil ich fürdeutsche Verlage arbeite, bin ich in Österreich von niemandemabhängig und muss auf niemanden Rücksicht nehmen.

Üblicherweise finanziere ich Buchrecherchen durchVerlags-Vorschüsse, die je nach Projekt zwischen 30.000 und100.000 Euro liegen. Das bedeutet, dass das finanzielle Risiko fürinvestigative Buchprojekte zunächst beim Verlag liegt. Einwichtiger Bestandteil jedes Verlagsvertrags ist für mich auch dieAbsicherung gegen juristische Risiken. Denn so wie bei Raiffeisen,handelt es sich bei meinen Gegnern oft um multinationale Konzerne odermächtige Interessengruppen wie Ärzte oder dieAgrarbürokratie, die über unbegrenzte Geldmittel und medialeEinflussmacht verfügen. Wenn ein Verlag nicht von vornhereinbereit ist, die entsprechenden publizistischen und juristischen Risikeneinzugehen, sollte man gar nicht erst beginnen, derartige Bücherzu schreiben.

Ausweitung des Projekts

Ich erhielt also vom Deuticke-Verlag einen Vertrag über einkritisches Raiffeisenbuch. Sieben Monate nach Beginn meiner Recherchenerhielt Deuticke jedoch ein Manuskript, das sich nicht nur mitRaiffeisen beschäftigt, sondern, wie der Titel »SchwarzbuchLandwirtschaft« schon sagt, mit der Agrarpolitik und derenMachenschaften.

Raiffeisen wird nur in einem einzigen Kapitel behandelt – dasaber besonderen Sprengstoff enthält. Ich kann nachweisen, dass diehochprofitable Raiffeisen-Bankengruppe sowie die RaiffeisenFirmenholding zwar Jahr für Jahr Milliardengewinne erwirtschaften,aber in Österreich fast keine Steuern zahlen. Motto: Gewinne hui,Steuern pfui. Die Steuersätze der letzten Jahre liegen bei nur 1bis 2,3 Prozent. Manche Raiffeisenbanken schaffen es sogar, selbst beihohen Gewinnen Steuergutschriften vom Staat zu kassieren. Und das,obwohl der offizielle Steuersatz für Kapitalgesellschaften inÖsterreich 25 Prozent beträgt. Aber für Raiffeisengelten eben andere Gesetze. Man kann davon ausgehen, dass dieseSteuervermeidungspraktiken vollkommen legal und letztlich auch von derPolitik so gewollt sind. Die Kleinen hängt man, die Großenlässt man laufen.

Öffentlichkeit wider Erwarten

Aufgrund all dieser Umstände rechnete der Deuticke-Verlag damit,dass ein Großteil der österreichischen Medien das Buchtotschweigen würde und es schwierig werden könnte, eineentsprechende Öffentlichkeit herzustellen. Diese Befürchtungbewahrheitete sich dann auch beim Thema Raiffeisen, nicht jedoch beiallen anderen Agrarthemen, die im Buch vorkommen. Die Zeit brachte inihrer Österreichausgabe einen prominenten Vorabdruck des Buchesund beschäftigte sich sogar in einer Titelgeschichte mitRaiffeisen. Es sollte in Österreich die einzigeVeröffentlichung über diesen Konzern bleiben. Kein anderesMedium wagte es, dieses Thema aufzugreifen.

Unsere Sicht von der Landwirtschaft ist geprägt vonKlischeebildern. In Nahrungsmittel-Werbungen sieht man hart arbeitendeBergbauern, satte Almwiesen und glückliche Kühe, die nochHörner tragen. Österreich als der »FeinkostladenEuropas«. Auch die herrschende Agrarbürokratie verwendet dasKlischee von den hart arbeitenden kleinen Bergbauern, um die riesigenSubventionen zu rechtfertigen, die in den Agrarbereich fließen.Die Beihilfen seien notwendig, so heißt es, um die kleinteiligeLandwirtschaft zu erhalten und den kleinen Bauern das Überleben zusichern.

Recherche auf dem Feld

So war es für mich naheliegend, diese Klischeebilder genauerunter die Lupe zu nehmen und meine Recherchen zum Buch damit zu beginnen,einen österreichischen Bergbauern mehrere Tage von morgens bisabends bei seiner Arbeit zu begleiten. Anschaulich und ganz nebenbeierfuhr ich auf diese Art und Weise, warum …

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