Pr Und Journalismus
Kommunikation mit Tarnkappe

Deutsche Bahn, Deutsche Post, Biosprit-Verband: Interessengruppen verschleiern ihre Botschaften häufig mittels der Third Party Technique. Eine Herausforderung für Journalisten.

von Ulrich Müller

Ende November 2009 sprach der Deutsche Rat für Public Relations eine öffentliche Rüge gegen die Lobbyagentur EPPA GmbH aus und warf ihr ein »professionell ausgearbeitetes Geschäftsmodell der verdeckten PR« vor. EPPA sowie die Agentur und Denkfabrik Berlinpolis hatten im Auftrag des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) Leserbriefe, Artikel und Kommentare in verschiedenen Medien und Internetportalen platziert, die sich positiv zum umstrittenen Thema Biokraftstoffe äußerten.

Berlinpolis hatte zudem eine passende Forsa-Umfrage veröffentlicht, die unter anderem von der Nachrichtenagentur DPA und der Süddeutschen Zeitung aufgegriffen wurden. Die Leserbriefe erschienen in FAZ, Frankfurter Rundschau, Welt, Märkische Allgemeine, Taz und Junge Welt. In der Financial Times Deutschland und der Welt am Sonntag publizierte der Berlinpolis-Geschäftsführer Daniel Dettling Meinungsbeiträge, wonach Biokraftstoffe zu Unrecht in Verruf geraten seien. Der Auftraggeber VDB wurde dabei nie genannt. Für die Öffentlichkeit entstand der Eindruck, dass die Beiträge von Privatpersonen beziehungsweise unabhängigen Experten geschrieben worden waren.

Markt für verschleierte Meinungsmache

In seiner Rüge schreibt der PR-Rat, dass EPPA sein Modell verdeckter PR auch im Falle der Deutschen Bahn im großen Stil umgesetzt und weiteren Verbänden und Unternehmen angeboten habe. Dies verdeutlicht, dass es einen Markt für verdeckte Meinungsmache gibt. Tatsächlich liegt Unternehmen, Agenturen und Verbänden häufig daran, die Öffentlichkeit unterschwellig zu beeinflussen und den Absender der Botschaften zu verschleiern. Nicht immer ist das so drastisch wie im Fall EPPA und Berlinpolis. Es gibt andere Taktiken, bei denen der Absender nicht völlig verschwiegen wird, sondern nur in den Hintergrund rückt. Auch sie können die Öffentlichkeit in die Irre führen und sind eine Herausforderung für den Journalismus.

Glaubwürdige Dritte

Gemeinsam ist solchen PR-Strategien das einfache Kalkül: Wenn der Absender der Botschaften verschwiegen wird, wirken sie glaubwürdiger und werden weniger hinterfragt. Gerne legt man die eigenen Botschaften vermeintlich unabhängigen Dritten in den Mund – wie etwa der Denkfabrik Berlinpolis. In der anglo-amerikanischen Debatte wird dieses Vorgehen als Third Party Technique bezeichnet.

Beispiel Bahn-Skandal: Berlinpolis veröffentlichte im Oktober 2007 eine Umfrage zum Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer – kurz vor einer weiteren Streikrunde. Danach konnten 55 Prozent der Bevölkerung die Forderungen der Lokführer nicht mehr nachvollziehen. Frankfurter Rundschau, Berliner Morgenpost, Welt, Spiegel Online und die Nachrichtenagenturen AP, DPA und DDP griffen die Umfrage auf mit Überschriften wie »Die Stimmung kippt« oder »Lokführer verlieren Rückhalt«.

In keinem Bericht wurde die Frage aufgeworfen, wie sich Berlinpolis als Auftraggeber der Umfrage finanziere, warum sich diese Denkfabrik …

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