Lokalisierung
»Geschichten aus dem Lebensumfeld bieten«

Giovanni di Lorenzo ist seit 2004 Chefredakteur der Zeit. Die Wochenzeitung steht für überregionalen Qualitätsjournalismus. Jetzt versucht sich das Blatt auch im Regionalen und bringt in Sachsen in jeder Ausgabe zwei Extra-Seiten mit Themen aus dem Freistaat. Im Interview mit Message erläutert der 50-jährige di Lorenzo seine Regionalisierungsstrategie.

von Fragen Stellte Andreas Lochner

Herr di Lorenzo, was sagt Ihnen der Begriff »Nischel«?

Giovanni di Lorenzo: Wenn ich ehrlich bin: erstmal gar nichts.

Wollen Sie kurz googeln?

Giovanni di Lorenzo: So nennen die Chemnitzer ihr Marx-Monument. Richtig?

Ja. Wir sehen aber: Ihr Wissen über Sachsen ist ausbaufähig. Dabei kämpfen Sie doch gerade im Freistaat um neue Leser: Seit November 2009 gibt es für die Sachsen zwei Extra-Seiten. Warum steigen Sie als ein gegen den Trend erfolgreiches überregionales Wochenblatt in einen regionalen Markt ein?

Giovanni di Lorenzo: Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer gibt es in Deutschland immer noch eine Lese-Mauer. Grob vereinfacht gesagt: Auf der einen Seite wird am liebsten die Super Illu gelesen, auf der anderen Seite liest man den Spiegel, die Zeit und ein paar andere. Damit wollen wir uns nicht zufrieden geben.

Sind ein paar Regionalseiten die richtige publizistische Strategie?

Giovanni di Lorenzo: Die Menschen schätzen es, wenn ihnen eine Zeitung sowohl die großen politisch-gesellschaftlichen Zusammenhänge erklärt als auch Geschichten aus ihrem Lebensumfeld bietet.

Bislang war der »Länderspiegel« der Zeit das Forum für Regionales. Wollen Sie nun zusätzlich regionale Schwerpunkte setzen?

Giovanni di Lorenzo: In gewisser Weise ja. Die Berichterstattung aus den neuen Bundesländern beschränkte sich bislang fast ausschließlich auf Entvölkerung, Arbeitslosigkeit, Rechtsradikalismus oder Alkoholismus. Neue Leser erreichen Sie auf diese Weise nicht. Wir müssen also die Themenpalette erweitern, ohne dabei die Missstände im Osten kleinzureden oder zu verschweigen.

Klingt für uns ein bisschen wie Super Illu für Frau Dr. Lieschen Müller in Chemnitz und Regierungsrat Voigt in Dresden.

Giovanni di Lorenzo: Dann kennen Sie die Zeit aber schlecht: Selbst wenn wir es darauf anlegten, würden wir es nicht schaffen, die Super Illu zu kopieren.

Warum starten Sie gerade in Sachsen?

Giovanni di Lorenzo: In Sachsen erzielen wir bislang die höchste Auflage im Osten. Wir glauben daher, dass es hier besonders viele Leserinnen und Leser gibt, die uns gewogen sind.

Sie haben in einem Interview gesagt, dass Sie vergleichsweise mehr Distanz zu den Leuten, den Akteuren vor Ort in Sachsen haben. Sind die Tageszeitungen in Sachen zu nah dran und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht?

Giovanni di Lorenzo: Ich will mich über keinen Zeitungstitel in Sachsen erheben. Aber eine Wochenzeitung wie die Zeit gibt es dort bislang nicht. Wir werden der Sächsischen Zeitung oder der Leipziger Volkszeitung nicht weh tun, sondern etwas anbieten, dass komplementär zu deren Angebot ist.

Sind Sie Sachsens neuer Watchdog?

Giovanni di Lorenzo: Es ist schon von Vorteil, wenn man …

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