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Schweden:

Der aufgeflogene Deal mit dem Ministerpräsidenten

Von Leif Holmkvist

Im Jahr 1996 wurde Göran Persson zum Vorsitzenden der schwedischen Sozialdemokraten und zum Ministerpräsidenten gewählt. Er war damals sehr gut bekannt mit Erik Fichtelius, einem politischen Kommentator des staatlichen TV-Senders Sveriges TV, kurz SVT.

Kurz nach der Wahl Perssons machte Fichtelius ihm einen Vorschlag: Er, Fichtelius, führt während Perrsons Amtszeit Interviews mit ihm – gesendet werden soll das Material allerdings erst nach Perssons Amtszeit. Da diese bis 2007 dauerte, entstanden insgesamt 57 Interviews mit einer Länge von mehr als 100 Stunden.

Eine unvorsichtige Bemerkung

Im Herbst 2002 machte Persson jedoch während eines Interviews mit der Tageszeitung Dagens Nyheter einen Fehler, der zur Enthüllung der Absprache führte. In einem Nebensatz sagte Persson, dass er über eine große Menge an aufgezeichneten Gesprächen verfüge, die von einem »Forscher« aufgezeichnet worden seien.

Einen Kollegen und mich machte diese Aussage stutzig, und wir begannen mit einer Recherche für das schwedische Medienmagazin Resumé. Einer der SVT-Chefs bestätigte uns letztlich, dass Erik Fichtelius an einem »Archivprojekt« arbeite. Der Deal zwischen dem Journalisten und dem Politiker flog auf.

Für Fichtelius wurde es eng. Denn er hatte über die Jahre weiterhin als politscher Kommentator in der Sendung Aktuellt gearbeitet, der Nachrichtensendung schlechthin im schwedischen Fernsehen. Sein Wissen aus den Gesprächen mit Ministerpräsident Persson dürfte in seine Kommentare und in die Fragen seiner Interviews eingeflossen sein.

Die Konsequenz unserer Veröffentlichung war, dass Fichtelius nicht mehr als Kommentator und Moderator der großen Wahlsendungen arbeiten durfte. Als Resumé schließlich noch aufdeckte, dass er gemeinsam mit seiner Frau auch privat Kontakt zum Ministerpräsidenten pflegte, musste er seinen Schreibtisch bei SVT ganz räumen.

Nach seinem Ausscheiden aus der Politik wurde Persson PR-Manager bei SVT und – wie in der geheimen Absprache vorgesehen – wurden vier einstündige Dokumentationen mit dem Titel »Parteiführer Persso « ausgestrahlt.

Journalistenpreis fürs Doppelspiel

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