message-Logo
.:: KONTAKT    .:: IMPRESSUM   
 
.:: MEDIADATEN      .:: ABONNEMENT
Probe-Abo
   Im Dienste der Qualitätssicherung im Journalismus
Zur StartseiteMESSAGE-WerkstattMESSAGE-BlogDie MacherMESSAGE-KonzeptMESSAGE-PartnerMESSAGE-Archiv

 

HAUPTSTADTJOURNALISMUS

Nur für Ihren Hinterkopf

In schöner Regelmäßigkeit treffen sich Hauptstadt-Journalisten mit Politikern zu Hintergrundgesprächen – und sollen darüber schweigen. Die Grenzen zur politischen Vereinnahmung sind fließend.

Von Sebastian Feuß

Eine Randspalten-Meldung auf Seite 4 einer bayerischen Regionalzeitung reichte aus, um die politische Landkarte der Bundesrepublik nachhaltig zu verändern. Vielleicht auch, um ein politisches Schicksal zu besiegeln.

Nämlich das von SPD-Chef Kurt Beck, der nach jener Meldung noch immer verzweifelt versucht, seine politische Glaubwürdigkeit und seine Autorität in der Partei wieder herzustellen. Er habe einen Fehler gemacht, kommentierte Beck später in der ARD die Meldung. »Auch alten Fuhrleuten passiert mal ein Fehler.«

Was war passiert?

Hamburg, Bürgerschaftswahlkampf: Am Abend des 18. Februar 2008 bittet Fuhrmann Beck acht Journalisten zum Hintergrundgespräch &ndash »gute Bekannte aus anderen internen SPD-Runden«, erinnert sich einer der Anwesenden. Vereinbart war strikte Vertraulichkeit. Geredet wurde »unter Drei«: alles für den Hinterkopf, keine Berichterstattung.

In der Runde habe sich alles um die Frage gedreht, wie die SPD mit der Partei Die Linke umgehen soll. Dürften die Sozialdemokraten in Hessen mit ihr eine Koalition eingehen? Die Journalisten hätten mehrere Möglichkeiten durchgespielt. Einer davon habe sich der SPD-Vorsitzende dann angeschlossen.

Kurt Beck in Bedrängnis

Unter den Journalisten war auch Christoph Slangen, Hauptstadtkorrespondent verschiedener Zeitungen &ndash darunter der Passauer Neuen Presse. Dort stand zwei Tage später jene Meldung in der Randspalte auf Seite 4, die Kurt Beck in Bedrängnis bringen sollte.

Slangen schrieb: »In der SPD-Führung wird eine Wahl der hessischen SPD-Kandidatin Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin nun offenbar auch für den Fall angestrebt, dass sie auf die Stimmen der Linken angewiesen wäre. ›Andrea Ypsilanti wird sich zur Wahl stellen. Als Ministerpräsidentin kann sie Neuwahlen nach vier oder fünf Monaten machen. So sieht das auch Kurt Beck‹, wurde der PNP in Parteikreisen bestätigt.«

»Aus Kreisen wird nichts verraten«

»So sieht das auch Kurt Beck« – die brisante Information aus dem Hintergrundkreis war öffentlich. Hatte Slangen die Vertraulichkeit gebrochen? »Nein. Ich bin seit 17 Jahren Parlamentskorrespondent und für mich gilt: Aus vertraulichen Kreisen wird nichts verraten«, sagt Slangen auf Message-Nachfrage. »Nach dem Abend mit Beck habe ich am nächsten Tag einen Informanten in der SPD angerufen und gefragt: Wie verfahrt ihr in Hessen mit der Linken? Wie sieht Kurt Beck das? Woher wissen Sie das? Den Hintergrundkreis und die Gesprächsinhalte habe ich dabei nicht erwähnt – eine korrekte Recherche.«

Der SPD habe er am Tag des Erscheinens noch eine SMS geschickt und telefoniert, um den Sachverhalt aufzuklären. Offensichtlich waren die Sozialdemokraten davon ausgegangen, dass Slangen vertrauliche Informationen aus dem Hintergrundkreis ausgeplaudert hatte. Verifizieren lässt sich das nicht mehr – die Partei schweigt gegenüber Message.

Auch wenn Slangen das vertrauliche Gespräch vom Vorabend tatsächlich nicht erwähnt haben sollte &ndash es ist unwahrscheinlich, dass sein Hintergrundwissen nicht in die Befragung seiner SPD-Quelle eingeflossen ist.

Hätte Slangen also besser nicht in der Partei nachgefragt? Schließlich war die Information nur für seinen Hinterkopf.

Aber hätte er nicht einen großen Fehler begangen, wenn er die Pläne der Parteioberen mit der Linken unterdrückt hätte? Schließlich ist er als Journalist der Öffentlichkeit verpflichtet. Möglicherweise wäre die Bürgerschaftswahl in Hamburg sogar anders ausgegangen, wäre der Kurs der SPD im Umgang mit der Linken in Hessen nicht öffentlich geworden.

Informationen »unter Drei«

Hintergrundkreise sind fester Bestandteil im politisch-journalistischen Alltag. Politiker bitten vor wichtigen Entscheidungen gern Journalisten zu sich – spontan wie im Hamburger Wahlkampf oder fest institutionalisiert in Berlin.

In kleiner oder größerer Runde kommt man ins Gespräch, diskutiert die politische Großwetterlage, erörtert Pläne, Gesetze und Personalien. Wie Journalisten mit Informationen aus solchen Kreisen umzugehen haben, dafür gibt es strikte Regeln: Werden Informationen »unter Eins« gegeben, darf wörtlich und namentlich zitiert werden; heißt es dagegen »unter Zwei«, darf zwar zitiert werden &ndash jedoch ohne die Quelle zu nennen; von den »gut informierten Kreisen« ist dann die Rede.

In den Hintergrundkreisen wird zumeist »unter Drei« gesprochen &ndash streng vertraulich, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Warum?

»In Hintergrundkreisen können in Ruhe politische Zusammenhänge erklärt werden &ndash abseits vom hektischen politisch-medialen Alltag«, erklärt ...

MESSAGE abonnieren!