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Pressefreiheit
»Die Ängste und Verunsicherungen nehmen zu«
Der Donaukurier in Ingolstadt war bundesweit die einzige Zeitung, die vernehmbar gegen die Vorratsdatenspeicherung protestierte. Er erschien am 3. November 2007 mit einer schwarzen Titelseite und einem kämpferischen Leitartikel des Chefredakteurs Michael Schmatloch. Der 55-Jährige über seine Aktion und die Folgen.
Mit Ihrer Protestaktion standen Sie in Deutschland allein auf weiter Flur. Wie fühlt man sich da?
Schmatloch: Man wundert sich. Darüber, dass der Journalismus in Deutschland offenbar so gleichgeschaltet ist, dass sich jeder alles gefallen lässt.
Gleichschaltung ist ein hartes Wort.
Schmatloch: Ich meine die Gleichschaltung der Regionalzeitungen in ihrer überregionalen Kompetenz. Durch die inhaltliche Abhängigkeit von den Agenturen sind die Zeitungen im Prinzip austauschbar, was die große Politik angeht. Diese Berichterstattung ist in aller Regel wenig pointiert.
Gleichzeitig werden die Bürger immer professioneller abgelenkt von dem, was wirklich wichtig ist: Wir reden über die Frisur von Frau Merkel, Eisbär Knut und ähnliche Nebensächlichkeiten, aber merken dabei kaum, wie unsere Grundrechte scheibchenweise beschnitten werden. Unser Protest hat sich nicht isoliert auf die Vorratsdatenspeicherung bezogen. Für uns war nach Flugdatenspeicherung, der Aushöhlung des Bankgeheimnisses und vielem mehr das Fass jetzt einfach übergelaufen. Eines Tages ist der Punkt erreicht, wo unsere Demokratie alles Schützenswerte verloren hat.
Wie haben Ihre Leser reagiert? Gab es auch Abbestellungen?
Schmatloch: Keine einzige. Dafür war der Zuspruch gigantisch. Mehr als tausend Leser haben in der Zentralredaktion und den Lokalredaktionen angerufen, und wir hatten Leserbriefe über Leserbriefe.
Hatten Sie versucht, andere Medien ins Boot zu holen für eine konzertierte Aktion?
Schmatloch: Nein, dafür war die Aktion zu spontan, wir haben das am Nachmittag vor dem Erscheinen entschieden. Zwei Wochen später hatten wir aber eine Sitzung des Verbandes Bayerischer Zeitungsverleger, da haben wir erreicht, dass es jetzt zumindest einen gemeinsamen E-Mail-Verteiler gibt für ähnliche Fälle, in denen Abstimmungsbedarf besteht.
Wie war das Echo der Kollegen?
Schmatloch: Einige haben uns gratuliert, einige fanden die Aktion etwas übertrieben. Eine überregionale Zeitung hat einen etwas herablassenden Artikel geschrieben mit der Stoßrichtung: Die Provinzzeitung überzieht ein bisschen. Wenig später war ich in Berlin bei einer Tagung von Chefredakteuren, und dort merkte ich: Diese Donaukurier-Ausgabe kennt jeder.
Welche Reaktionen kamen aus der Politik?
Schmatloch: Ganz verschiedene. Der Grünen-Abgeordnete Jerzy Montag hat die Ausgabe im Bundestag am Rednerpult vorgezeigt, Guido Westerwelle hat mir auf dem Bundespresseball gratuliert. CSU-Chef Erwin Huber hat mir geschrieben, dass er das anders sieht. Was soll er sonst schreiben.
Der Trend zur Beschneidung von Freiheitsrechten ist noch längst nicht gestoppt, aber schwarze Titelseiten können Sie nicht ständig bringen. Wie geht Ihr Protest weiter?
Schmatloch: Ja, dieses Kaliber kann man höchstens alle fünf bis zehn Jahre verschießen. Wir kämpfen weiter, indem wir ...
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