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NUTZERBETEILIGUNG

Die geadelten Nutzer

Leserbeteiligung bekommt man nicht umsonst. Fünf Online-Redaktionen legen offen, wie viel Aufwand sie verursacht und welchen Nutzen sie bisher gebracht hat.

Von Thomas Mrazek

Focus Online: »Man braucht ein sehr dickes Fell«

Focus Online betreut seine Community fast rund um die Uhr, neben drei fest angestellten Mitarbeitern kümmern sich sechs Freie und drei ehrenamtliche Moderatoren mit eingeschränkten Rechten um die eingehenden Nutzerbeiträge. Man bemühe sich darum, eingehende Kommentare und E-Mails binnen zwei Stunden freizuschalten oder zu beantworten: »Und das nicht unbedingt mit Standard-Mails«, sagt Ingo Kruck, Ressortleiter Interactive.

Jeder Artikel bei Focus Online kann kommentiert werden, das ist bei den meisten anderen Angeboten nicht die Regel. Die Kommentare werden von der Community-Redaktion vorher gesichtet, eine eigene Netiquette soll zudem zur Qualitätssicherung beitragen: »Der Kommentar soll wie ein Leserbrief aussehen«, sagt Kruck. Registrierte Nutzer können Kommentare bis zu einer Länge von 800 Zeichen schreiben, unregistrierte Nutzer nur 400 Zeichen. 50.000 Kommentare veröffentliche man monatlich, schätzt Kruck.

Im Forum würden täglich um die 1.000 Beiträge geschrieben. Das Forum diene in erster Linie dazu, die Diskussionen der Nutzer untereinander zu ermöglichen, dort haben die Nutzer auch die Möglichkeit, eigene Themenstränge zu eröffnen.

Sehr beliebt bei den Kommentatoren ist der Politikbereich. Kruck sagt, dass Focus Online eines der größten deutschen Politikforen im Netz anbiete. Freilich sei dieses Angebot nicht ganz unproblematisch: »Zu Themen wie Israel oder Palästina haben wir Ablehnungsraten von über 50 Prozent«, sagt Kruck, der sich seit über zehn Jahren mit dem Community-Management beschäftigt. Er ist jedoch überzeugt, dass man bei Focus Online die Sache gut im Griff habe: »Wir kennen unsere Nutzer mittlerweile sehr genau. Klar gibt es ab und zu Beschwerden, und es wird uns beispielsweise Zensur vorgeworfen, aber das hält sich wirklich in Grenzen«. Trotzdem brauche man als Community-Redakteur »ein sehr dickes Fell«.

Ein Grund für das Löschen von Artikelkommentaren kann beispielsweise auch mangelhafte Rechtschreibung sein: »Wir wollen nun mal ein gewisses Niveau halten«, erklärt der Ressortleiter, »dafür benötigen wir Fingerspitzengefühl«.

Neben den Politikforen sind Foren mit Nutzwert für die Focus Online-Besucher besonders anziehend, dort können sie etwa in Rubriken wie Ge-sund-heit oder Digital Tipps von anderen Nutzern oder von Ex-per-ten er-halten. Die Community-Redaktion betrachte sich als »Schnittstelle zwischen Nutzer und Redaktion«, sagt Kruck. »Redakteure erhalten über direkte Kommentare und auch über uns wichtiges Feedback.« Wenn auf Fehler der Redaktion hingewiesen werde, würden diese auch an die Redakteure weitergereicht, und falls die Hinweise zutreffend seien, auch entsprechend beim Artikel vermerkt. »Mit unseren Community-Funktionen wollen wir den Leuten etwas Nachhaltiges anbieten«, sagt Kruck, »wir schaffen uns damit eine residente Nutzerschaft«.

Welt Online: »Keine rechte Spielwiese«

Auch das Online-Angebot der Welt bemüht sich seit dem Relaunch der Website Anfang 2007 darum, die Nutzer noch intensiver mitmachen zu lassen, wie Peter Schink, Senior Produktmanager, erklärt: »Unsere Nutzer können sich auf zwei Plattformen beteiligen. Zum einen ist jeder Artikel kommentierbar, zudem diskutieren wir mit unseren Lesern aktuelle Themen auf Welt Debatte, einer völlig neuartigen Dialogplattform. Dort stehen Artikel von Redakteuren gleichberechtigt neben Leserinhalten.« Schink hält diese Angebote für unbedingt notwendig: »Das Internet macht den Dialog möglich. Ihn nicht zu nutzen hieße, das Medium in Teilen abzulehnen.« Grundsätzlich gelte für Welt Online: »Wenn wir den Dialog mit und unter unseren Lesern ermöglichen, kann dies für die Marke nur förderlich sein. Wichtig ist aber, Leserinhalte und Artikel optisch ganz deutlich zu trennen, weil die Menschen unsere journalistische Kompetenz schätzen und deshalb auf unsere Seite kommen.«

Wie schnell bei der Nutzerbeteiligung etwas schieflaufen kann, bekamen die Springer-Leute Mitte November zu spüren: »Rechte Spielwiese bei Welt.de«, titelte nicht etwa ein bissiger Medienblogger, sondern der ansonsten eher kreuzbrave Mediendienst Kress.de und stichelte: »Hallo ‚Welt.de‘, wo sind eure Administratoren?« Für wenige Stunden hatten offenbar rechtsradikal gesinnte Leser an einem Freitag-nach-mittag ihre Parolen ungestört unter einem Artikel verbreiten können. Peter Schink stellt dies richtig: »Es gab keine rechte Spielwiese, die bemängelten Kommentare haben wir schnellstmöglich entfernt.«

Der Westen: »Zurück zum Marktplatz«

Ungewollte Resonanz bei Rechtsextremen finden auch die Kommentarmöglichkeiten beim Regionalportal Der Westen: »Unangenehm fällt auf, dass ausgerechnet die NPD die neuen Möglichkeiten sehr geschickt annimmt und regelmäßig im Lokalen Themen kommentiert, die sie besonders treffen«, berichtet Chefredakteurin Katharina Borchert. Dass die NPD – solange sie sich im rechtlichen Rahmen bewegt – bei Der Westen kommentieren darf, begründet Borchert ...

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