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Berliner Verlag
Besessener mit mäßigem Talent
Britische Zeitungsmänner halten nicht viel von David Montgomery. Ein Montgomery-Opfer erzählt, warum - und zeichnet ein paar Flops des neuen Besitzers der Berliner Zeitung nach.
von Richard Stott
David Montgomery wollte schon immer ein Medienzar sein. Zurzeit unternimmt er seinen vierten Versuch, und wenn man nach den ersten beiden geht, stehen den unglückseligen Mitarbeitern der Berliner Zeitung harte Zeiten bevor.
Montgomery ist ein merkwürdig kalter Mensch, der Schwierigkeiten hat, Beziehungen aufzubauen. Davon zeugen drei Ehen ebenso wie die Angst und der Abscheu, die er bei den Belegschaften der Zeitungen hervorrief, für die er mal gearbeitet hat.
Er kommt aus Nordirland und blieb die meiste Zeit seiner journalistischen Karriere ein kompromissloser Ulster-Protestant, ein eingefleischter Anhänger des harten Rechtskurses von Margaret Thatcher, deren Politik und unsentimentale Herangehensweise an die komplexen Probleme der Gesellschaft er mit Eifer unterstützte. Heute zeigt er sich etwas entgegenkommender und dreht sich, wenn es seinem Ehrgeiz dient, mit dem gerade vorherrschenden Wind.
Er kleidet sich mit Bedacht, doch sieht man ihm mit 57 Jahren sein Alter allmählich an, und sein beschleunigter Haarausfall wird ihn nicht eben glücklich stimmen. Er ist klein, bewegt sich seitwärts voran wie ein Krebs, die Hände vor dem Bauch verschränkt. Er hat einen oberflächlichen, winterlichen Charme, jedoch keine Wärme, enger Kontakt zu anderen ist ihm unangenehm. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er sich für die Menschheit nicht besonders erwärmen kann und dass umgekehrt die Menschheit keinen großen Gefallen an ihm findet.
Das ist nichts Neues. Man misstraute ihm schon von dem Moment an, als er vor mehr als dreißig Jahren - direkt aus dem Ausbildungsprogramm der Zeitung kommend - das Northern Office des Daily Mirror in Manchester als Redaktionsassistent (junior news sub editor) betrat.
Im Londoner Büro des Mirror - Montgomery war immer noch Assistent - festigte sich dieser Ruf, als er es versäumte, nachts dem zuständigen Redakteur mitzuteilen, dass er die Titelseite geändert hatte. Man sah sich in seiner Meinung bestätigt, dass Monty ein Problem und ein Einzelgänger war, jemand, der häufig abseits der Gruppe in der Bar saß und sich nicht zu anderen gesellte. Allerdings war er vom Zeitungswesen besessen und lag seinen Vorgesetzten ständig in den Ohren, ihm bessere, bedeutendere Jobs zu geben.
Er war ein talentierter Redakteur, aber das waren andere auch. Sein größtes Problem war, dass er weder den Instinkt für die "Chemie" einer Zeitung noch für die Bedürfnisse der Leser hatte. Ihm fehlte die Leidenschaft des geborenen Zeitungsmanns. Es war schwierig herauszufinden, woran er überhaupt glaubte, außer an sein eigenes Talent und Glück. Man respektierte ihn aufgrund seiner harten Arbeit und der Überstunden, die er leistete, ansonsten aber herzlich wenig. Er hatte kaum Freunde oder Bewunderer.
Murdochs wachsames Auge
Einen gab es aber doch. Nicholas Lloyd, Chefredakteur der News of the World, Großbritanniens meistverkaufte Zeitung, gab Montgomery seine Chance. Er begegnete ihm, als Monty gerade das Pferd umsattelte und bei der Sun einstieg. Er wurde leitender Redaktionsassistent (chief sub) unter dem eindrucksvollen Kelvin MacKenzie, der kein Geheimnis daraus machte, dass Montgomery ihm zutiefst missfiel. Lloyd machte ihn zum Executive, zuerst bei The People, als er Chefredakteur wurde und später bei News of the World. Endlich wurde Monty Chefredakteur. Ein Job, den er gut machte. Dafür gab es Gründe. Die News of the World ist ein wichtiger Titel am unteren Ende des "British Sunday Sex and Celebrity"-Markts. Man handelt dort auf eigene Faust - und wenn man unter Murdochs wachsamem Auge steht, ist das Risiko sehr real.
Ein Schritt auf der Karriereleiter
Aber Monty wollte mehr. Er wollte unbedingt sein eigener Chef werden. Er schlug Murdoch vor, die kränkelnde Zeitung Today zu kaufen, eine neuere Publikation, die sich unter den vorherigen Besitzern am Markt nicht durchsetzen konnte. Murdoch stimmte zu. Hauptsächlich, weil Robert Maxwell ihn angerufen hatte, um damit anzugeben, dass er die Zeitung gekauft hätte. Murdoch hatte seinen Spaß daran, sie ihm vor der Nase wegzuschnappen.
Monty wurde als Chefredakteur und Managing Director eingesetzt, und war sowohl für redaktionelle als auch finanzielle Belange verantwortlich. Das war neu für britische Zeitungen und nicht wenige Zeitungs-Gurus fragten sich, was Murdoch vorhatte.
Er wollte feststellen, wie gut Montgomery wirklich war und ob er die komplizierten Finanzen einer Zeitung managen könne. Wenn es darum geht, Leute von niederen Posten auf der Karriereleiter nach oben zu hieven, kann Murdoch eine Erfolgsbilanz vorweisen. Der derzeitige Vorstandsvorsitzende und Generaldirektor von News International in London, Les Hinton, begann vor vierzig Jahren als Reporterschüler in der Verlagsgruppe. Murdochs Bereitschaft, auf die im Haus erlernten Qualitäten seiner Führungskräfte zu setzen, ist eine seiner größten Stärken.
Zielscheibe des Spotts
Dieses Experiment schlug jedoch fehl. Montgomery war nicht imstande, sich zu entscheiden, wofür sein Blatt stehen sollte. Es waren die späten 1980er Jahre und Großbritannien befand sich im eisernen Griff Margaret Thatchers und ihrer konservativen Revolution, die es jungen Männern ermöglichte, in der von Geld und Champagner überschäumenden City of London über Nacht reich zu werden. Montgomery wollte ...
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