

wahrscheinlich kennen Sie das auch: Sie suchen mithilfe von Google oder Yahoo oder eines Metacrawlers im Internet nach Berichten zum Thema X und stoßen auf die Inhaltszeile eines Fundstücks, die Ihnen irgendwie bekannt vorkommt. Sie rufen die Website auf – die Quelle ist Ihnen unbekannt – und wundern sich: Dort findet sich eine Passage aus einem Text, den Sie vor zwei Jahren veröffentlicht haben: Copy & Paste.
Sie schreiben dem Webseiten-Betreiber eine Mail und bekommen zur
Antwort, dass er nicht mehr wisse, wie es kam, dass ... – und
natürlich werde man die Website bereinigen ... (Korrespondenzen
dieser Art führe ich wegen der Übernahme kompletter
Abschnitte oder Kapitel aus meinen Handbüchern des Öfteren).
Erstaunlich viele Leute sind der Meinung, im Internet gebe es kein
Urheberrecht; was man dort finde, sei quasi Gemeineigentum,
insbesondere Texte bei Wikipedia – und viele Journalisten haben
diese Art der Selbstbedienung bereits im Volontariat eingeübt, als
sie lernten, wie man woanders publiziertes Material effizient
auswertet.
Auswerten, das wäre auch kein geistiger Diebstahl. Denn im Unterschied zur Literatur (fiktionale Texte) handelt der Journalist ja zunächst mit Fakten und nicht mit blumigen Schilderungen. Ihn interessiert, ob die ausgewertete Information zutrifft oder nicht, egal, wer sie in die Welt gesetzt hat, denn wenn sie stimmt, ist sie bekanntlich frei verfüg- und verwertbar. Und schon schliddert unser Journalist in die Copy & Paste-Falle, weil er meist gar nicht überprüft, sondern schlicht übernimmt (Motto: Ist schon publiziert, also stimmt’s), manche Falschinformation und originelle Formulierung inklusive.
Offensichtlich hat diese Art des Abschreibens – und weiter:
das Abschreiben vom Abgeschriebenen – mit der Digitalisierung und
Internetisierung der Medienproduktion dramatisch zugenommen. Vielleicht
gewinnt auch die im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit gern
diskutierte Grundsatzfrage nach dem Wesen des Originals in
Bloggerkreisen neue Nahrung.
Wir haben uns indessen solche Hintergrundfragen versagt und stattdessen
im Vordergrund recherchiert: Wie Journalisten mit dem Urheberecht
anderer Autoren denn umgehen. Dabei kam auch Überraschendes
zutage, etwa, dass sich dank des Internets eine neue Kultur des
Respekts abzeichnet.
Dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, neben diesen Berichten und Analysen auch unser übriges Angebot mit Gewinn lesen – ans Herz legen möchte ich Ihnen die für Message verfassten Protokolle aufregender Enthüllungsrecherchen im Message-Podium – dies erhofft sich
MESSAGE 3-2010